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#11
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| Lothar Kimmeringer schrieb: Nein, natürlich nicht. Ich meinte eher, daß mehr Quantität nicht unbedingt mehr Qualität bedeutet. Eher stimmt das Gegenteil: mehr Auswahl erschwert die Entscheidung. Anscheinend gibt es sehr viele Theorien, welche sich ganz oder teilweise widersprechen. Deswegen müssen manche Theorien falsch sein. Die Frage ist nur, welche das sind. Eigentlich wäre die theoretische Physik verpflichtet, diese Thesen gelegentlich zu testen und sich plausibel für die eine oder andere Variante zu entscheiden. Experimente wären nützlich um Hypothesen zu testen. Man stellt dazu eine Reihe von Mutmaßungen an und entscheidet sich dann nach dem Ausgang des Experiments für eine (!). Welche dies nun sei, daß kann man ggf. diskutieren. U.U. macht man weitere Experimente. Was aber nicht geht, daß die Entscheidung nicht getroffen wird und ad infinitum konkurrierende Ansichten die Grundlage weiterer Theorien bilden. Physik ist schließlich eine Naturwissenschaft und man kann mit einigem Recht vermuten, daß es nur eine Natur gibt, welche man mehr oder weniger gut verstehen und beschreiben kann. So besteht eine wesentliche Aufgabe im Aussortieren von offensichtlich oder vermeintlich falschem. Die verbleibenden Theorien bilden dann ein Netzwerk, welches auch untereinander harmonieren muß, da es ja nur eine Welt gibt. Sollte es interne Widersprüche geben, dann kann man sicher sein, irgendwo einen Fehler gemacht zu haben. Ich denke, man könnte theoretisch Erkenntnisse auch in Software konkretisieren, welche man dann entsprechend zusammen-'stöpseln' könnte. Dadurch müßte sich nicht jeder einzelne Forscher durch die gesamte Physik schlagen, um irgendwo in einem Randbereich den dortigen Erkenntnisstand ein wenig zu erweitern. So ein System würde auch ein anderes Problem lösen, nämlich die Auswahl der für richtig erachteten Modelle. Jetzt geschieht dies durch ein strenges System der Zugangskontrolle zu bestimmten Medien, welche durch 'peer-reviewing' realisiert sind. Diese Art der Auswahl begünstigt aber die, welche sich bereits in ihrer eigenen Karriere für eine bestimmte Theorie entschieden haben. So ein System bewirkt zwangsläufig Stagnation, da diejenigen, die über mögliche Alternativen zu entscheiden hätten ja gleichzeitig über ihr eigenes berufliches Fortkommen entscheiden müßten und bezüglich letzterem wohl eher konservativ optieren. Grüße Thomas Heger |
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#12
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| "Thomas Heger" <[Only registered users see links. ]> schrieb im Newsbeitrag news:[Only registered users see links. ]... Vor ein paar Monaten habe ich einen Beitrag gelesen (oder im TV gesehen ?), dass bei Physikern (Grundlagenforschung) mehr und mehr eine gewisse Frustration sich breit macht. Grund sei die wachsende "Einsicht", dass letztendlich alle Erkenntnisse nur Modelle seien, wobei mehrere und ganz verschiedene Modelle in derselben Sache durchaus miteinander konkurrieren können. Gruß Manfred |
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#13
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| On 9 Okt., 12:11, Thomas Heger <[Only registered users see links. ]> wrote: Die Situation ist nicht so hoffnungslos, wie sie scheint. Die angeführten Erörterungen betreffen vor allem das endlose Geschwafel der Theoretiker und den von ihnen produzierten öffentlichen Lärm. Darüber kann man sich zwar ärgern, aber man kann es im Grunde ignorieren. Unterhalb dieser Lärmschwelle sieht es etwas anders aus. Eine schöne Übersicht zum Thema alternativer Ansätze findet man im Moment in der Zeitschrift "raum & zeit thema" ("Energie der Zukunft"). In einem einführenden Artikel geht H. P. Dürr (!) mit seinen Physiker- Kollegen ins Gericht: "In gewisser Weise spielt heute die Wissenschaft die Rolle der Inquisition, die uns zwar nicht verbrennen wird, wenn wir nicht glauben, die uns aber einen Ignoranten nennt und einen Job verweigern wird." Nun ja, Dürr ist ein alter Mann und sicher schon verkalkt. Es heißt, eine gute Theorie sei die beste Praxis. Richtig. Entsprechend führt eine miserable Theorie zu schlechter Praxis. Zwischen diesen beiden Polen liegt die theorielose Praxis: es geht, doch niemand weiß, warum. Es ist nicht überraschend, dass die Fortschritte aus der Praxis kommen, auch aus der universitären Praxis, dem Geschwätz der Schreibtisch-Forscher zum Trotz. Die sogenannte "kalte Fusion" liefert dafür das beste Beispiel. Wir befinden uns heute in derselben Situation wie vor vielleicht 250 Jahren bei Elektrizität und Magnetismus. Es wird viel herumgestochert und probiert, gestützt auf halbgare Vorstellungen und Berechnungen. Es wird noch etwas dauern, bis da etwas Neues entsteht. Und ja, es gibt teilweise massive Behinderungen gewisser Interessengruppen. Denn es geht um viel Geld und niemand wird ernsthaft erwarten, dass Großkonzerne dezentrale Energieversorgung wünschen. Niemand wird ernsthaft erwarten, dass ein beispielsweise ein "heißer" Fusionsforscher es begrüßen wird, wenn Investitionen von ihm weg in andere Kanäle gelenkt werden. Diese Studie beispielsweise [Only registered users see links. ] wurde nicht in die Buchreihe des Ministeriums übernommen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Hat sich vielleicht jemand beschwert? |
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#14
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| Thomas Heger wrote: Das geschieht ja, Beispiele sind LIGO mit Einstein@Home und der LHC. Beide beoetigen aber Zeit fuer Bau und Auswertung. Bei andere Theorien stelle ich es mir schwer vor, mal eben ein Experiment zu machen. Eine Theorie kann so lange nicht als ungueltig angesehen werden, solange nicht deren Gegenteil gezeigt wurde. Sind die bestehenden Theorien denn offensichtlich falsch? Welche waeren diese denn? Warum sollte man eine vermeintlich falsche Theorie ausschliessen? Entweder erinner ich mich an eine andere Bedeutung von "vermeintlich falsch" oder deine Forderung macht keinen Sinn. Gehostet beim Bundesamt fuer Physikalische Wahrheit. Gruesse, Lothar -- Lothar Kimmeringer E-Mail: [Only registered users see links. ] PGP-encrypted mails preferred (Key-ID: 0x8BC3CD81) Always remember: The answer is forty-two, there can only be wrong questions! |
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#15
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| Ach, komm Wabnig: Hegers Eröffnungs-Fred ist ein gelungenen Denkanstoß, und stilistisch passabel. Vor allem mit seiner "Im Kreis drehen"-Metapher trifft er ins Schwarze. Lone |
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#16
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| Thomas Heger wrote: Nein. Das ist, wenn man denn schon trennt zwischen theoretischer Physik und was anderem, die Aufgabe des anderen Teils: der experimentellen Physik. Theoretiker sind nur verpflichtet, auf innere Widerspruchsfreiheit ihrer Theorien zu achten, und bestenfalls noch Experimente _vorzuschlagen_, die es gestatten, sie zu testen. Die Tests selbst sind Aufgabe des Experiments. Du träumst dir die Aussagekraft von Experimenten zu groß. Ein einzelnes Experiment kann immer nur einige Theorien widerlegen, aber keinesfalls alle bis auf eine. Und was versetzt dich in die erstaunliche Lage, zu glauben, dass irgendwer so etwas vorhätte? Ja. Es ist nur leider nicht immer möglich, herauszufinden, wo. Manchmal sind die dazu nötigen Experimente einfach zu riesig, um durchführbar zu sein, manchmal zu teuer, als dass man irgendwen überzeugen könnte, das Geld dafür lockerzumachen. |
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#17
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| Thomas Heger wrote: Nur in deinen Träumen. Plattentektonik ist geradezu brutal einleuchtend. Weil die Welt nicht so einfach ist, wie du das offenbar gerne hättest. Die Experimentatoren haben die lästige Angewohnheit, öfters mal Dinge zu finden, die einfach nicht zu den aktuellen Theorien passen. Du hast ganz offenbar keine Ahnung, was Optik heutzutage alles umfasst. Ohne Quantenmechanik gäbe es keine LEDs, keine LASER, keine digitalen Bildsensoren und auch sonst so ziemlich nichts, was an heutiger Optik interessant ist. Auch hier demonstrierst du nur das Ausmaß deines Unwissens. Die gesamte Halbleitertechnik beruht auf nichts anderem als dem Umgang mit dem Verhalten einzelner Elektronen. Irgendwie scheinst du die Vorstellung der monotheistischen Religionen vom Einen Gott mit Gewalt auf die Physik übertragen zu wollen. Lass es. Du machst dich nur lächerlich. |
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#18
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| Philo schrieb: [...] Ob da was dran ist oder nicht, ist noch nicht gesagt, aber selbst wenn, dürfte inzwischen klar sein, dass es sich um eine sehr komplex herzustellende Angelegenheit handelte und schon von daher nicht eben billig würde. Forschen schadet nie, aber ich würde derzeit auf KF keine größeren Summen wetten, einfach, weil es zwar überzeugte Verfechter gibt, die es aber seit zwei Jahrzehnten nicht zuverlässig genug reproduzieren können, um einen objektiv stichhaltigen Nachweis zu liefern. Vielleicht. Es gibt aber auch viele Spinner, die nicht eben Vertrauen erwecken. Und ich schreibe das als interessierter Laie - wenn das für mich schon erkennbar ist... -- "When you have eliminated all which is impossible, then whatever remains, however improbable, must be the truth." Doyle's Law |
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#19
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| Thomas Heger wrote: Ich kenne die Growing-Earth-Theorie nicht, frage mich aber, was einen Laserstrahl die Erde interessiert, wenn er durch einen Schlitz von 0,1 mm Breite wandert. Gruesse, Lothar -- Lothar Kimmeringer E-Mail: [Only registered users see links. ] PGP-encrypted mails preferred (Key-ID: 0x8BC3CD81) Always remember: The answer is forty-two, there can only be wrong questions! |
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#20
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| Philo schrieb: Ich fand den Text ganz gut und finde auch gut, daß er überhaupt erstellt wurde bzw. werden konnte. Für ein Ministerium ist das Thema vielleicht etwas zu spekulativ, um es in einer offiziellen Buchreihe zu veröffentlichen. Für Leute an den Unis oder Forschungseinrichtungen kann so etwas aber doch nur ein Ansporn sein, dergleichen auch mal zu versuchen. Denn: der Blitzableiter ist schon erfunden! Falls jemand mal was spannendes machen will, dann KANN das nur aus solchen Aussenseitergebieten kommen. Ich persönlich habe mich einige Zeit mit diesen Tajmar Experimenten beschäftigt und mich gefragt, auf welche Weise ein sich drehender kalter Plastikring wohl ein Gravitationsmessgerät beeinflusst. Nur aus solchen Fragen in Randgebieten kann wirklicher Fortschritt kommen. Kalte Fusion' ist wohl eine unglückliche Wortwahl, da gerade keine Nuklearreaktion vorkommen soll und sich doch die Zusammensetzung der Isotopen ändert. Ähnlich Ergebnisse wurden auch mit explodierenden Titanfolien erzielt, die von starken Strömen unter Wasser durchflossen wurden. Der Schluss aus diesen Experimenten kann eigentlich nur sein, daß sich eine ganz wichtige Grundannahme der Physik als falsch herausstellt, nämlich daß Elemente sich nur durch Kernprozesse verändern lassen. Stimmt diese Beobachtung, dann kann man mit einigem Recht weitere Überaschungen erwarten. Was ich an der jetzigen Situation der theoretischen Physik etwas befremdlich finde, das ist so eine gewisse Ziel- und Planlosigkeit, kombiniert mit Methoden der Theoriebildung, die eher auf Glauben und der Autorität herrschender Ansichten beruhen. Richtig wären meiner Meinung nach Experimente, welche klar zwischen zwei Klassen von Alternativen entscheiden. Etwa: wächst die Erde nun oder nicht? Kann man mit Strom die Isotopenzusammensetzung ändern oder nicht? Simple Frage - simple Antwort. Und es gibt nur zwei Möglichkeiten, die aber enorme Kraft haben, tatsächlich Entscheidungen zu treffen. Die Frage des 'wenn ja dann wie viel' ist deutlich weniger spannend und wohl auch viel aufwendiger zu klären. Mit so einem Vorgehen könnte man u.U. mit relativ wenig Aufwand viel erreichen und Streitfällen endlich auch mal klären. Grüße Thomas Heger |
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