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#1
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| Im Rahmen einer Studienarbeit möchte ich einen (stark vereinfachten) Windenstart eines Segelflugzeugs in der x,z Ebene mit Simulink simulieren. Ich habe mich bisher mit dem "Dubbel - Taschenbuch für den Maschinenbau" herumgeschlagen, um mir die Flug-Physik einigermaßen (so hoffe ich doch) näher zu bringen. Leider habe ich noch immer einige große Fragezeichen in meinem Kopf. Zur Veranschaulichung meiner Fragen habe ich eine Skizze angefertigt: [Only registered users see links. ] Achsenkreuze: - x_g, z_g bzw. x_e, z_e spannen das geodätische (erdlotfeste) Achsenkreuz auf, - x_a, z_a spannen das das aerodynamische (flugwindfeste) Achsenkreuz auf und - x,z (z nicht eingezeichnet) das flugzeug- bzw. körperfeste Achsenkreuz Kräfte: - F_A: Auftriebskraft - F_G: Gewischtskraft - F_L: Gesamtluftkraft - F_W: Widerstandskraft - F_V: Vortriebskraft Formeln: F_A = c_A * q * S // q ist der Staudruck, S die Bezugsflügelfläche, F_W = c_W * q * S // c_A der Auftriebs- und c_W der Widerstandsbeiwert q = 1/2 * rho * v² // rho ist die Luftdichte, v der Betrag der // Geschwindigkeit Ich möchte das Flugzeug als Punktmasse (also nur den Masseschwerpunkt des Segelflugzeugs) simulieren und ausschließlich mit dem Auftrieb/Widerstand des gesamten Flugzeugs rechnen (also nicht Tragflächen und Leitwerke getrennt) und daher den Anstellwinkel vorgeben. Meine Fragen: 1. Nehmen wir an, ich hätte Daten für c_A und c_W in Abhängigkeit von alpha, dann könnte ich doch den Gleitflug mit den oben genannten Formeln berechnen über: F = m*a die Beschleunigungen und dann mit den Gesetzen der Translation durch Integration der Beschleunigungen und dann der Geschwindigkeit das Flugzeug als Masseschwerpunkt mit Simulink simulieren, wenn ich den Anstellwinkel alpha vorgebe und gamma auf 0° initialisiere? F_L = F_W/sin(gamma) = F_A/cos(gamma) m: Masse des Flugzeugs Im aerodynamischen Achsenkreuz (F_a: Gesamtkraft): F_a = [F_V - F_W, F_Gr - F_A] = [F_G*sin(gamma) - F_W, F_G*cos(gamma) - F_A] Jetzt müsste sich das ganze auch im erdlotfesten Achstenkreuz berechnen lassen: F_e = [???, F_G - F_L] = [???, m*g - F_A/cos(gamma)] = [???, m*g - F-W/sin(gamma)] Wie berechnet sich der Anteil in x_e-Richtung? Ich nehme an ich könnte den 4th Order Point Mass Forces Block des Simulink Aerosopace Blockset auch zur Berechnung verwenden? 2. Nun möchte ich die Winde hinzufügen und das Seil als masselose Stange annehmen (zur weiteren Vereinfachung). Kann ich die Kraft der Winde / des Seils zunächst einfach als konstante Kraft in Richtung der Winde annehmen? Ich vermute, dass die Kraft des Seils irgenwie auch von den aerodynamischen Kräften am Flugzeug abhängt, oder liege ich da falsch? 3. Bei Änderung der Flugrichtung treten Zentrifugalkräfte auf. Wie kann ich diese berechnen? Am besten ausgehend von dem geänderten Anstellwinkel. Muss ich hierzu aus den letzten drei Punkten die Kreisbahn berechnen und mit Hilfe dieser die Zentrifugalkraft? Der Ansatz würde aber wohl diese für einen vergangenen Zeitpunkt berechnen, oder? Vielen Dank im voraus, -Jens |
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#2
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| Jens Remus schrieb: [...] Vielleicht wäre es sinnvoll, wenn Du auch mal nebenan in de.rec.luftfahrt anfragen würdest. Die Kollegen dort können Dir bezüglich der Dynamik von (Segel-) Flugzeugen vermutlich eher weiterhelfen als die reinen Physiker in dieser Gruppe. Gruß, Gernot -- Dieses Posting wurde ausschließlich für das Usenet verfasst. Jede Veröffentlichung dieses Postings in einem kommerziellen Umfeld (Webforen o.ö.) erfolgt ohne Genehmigung des Autors. Bitte melden Sie entsprechende Vorkommnisse an [Only registered users see links. ] |
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#3
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| On Fri, 20 Jul 2007 02:18:49 +0200, Jens Remus <[Only registered users see links. ]> wrote: Noch eine weitere allegemeine Frage: Ich fürchte ich habe einen groben Fehler in meiner Skizze: F_L ist sicher nicht immer senkrecht zu x_g (der Erdoberfläche) sondern nur im Spezialfall stationärer Gleitflug? Demnach müsste ich F_e dann folgendermaßen berechnen können: F_e = [F_AX - F_WX, F_G - (F_AZ + F_WZ)] = [F_A*sin(gamma) + F_W*cos(gamma), F_G - (F_A*cos(gamma) + F_W*cos(gamma))] Habe ich das richtig durchdacht? Vielen Dank im voraus, -Jens |
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#4
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| On Fri, 20 Jul 2007 14:21:07 +0200, "Manfred Ullrich" <[Only registered users see links. ]> wrote: Nein, auch muss ich ganz erhlich sagen, dass ich mit dem Begriffen "schädlicher" und "induzierter" Widerstand ersteinmal nichts anzfangen weiß. Beziehst Du Dich auf die einzelnen Widerstände des Flugzeugs? In "Flug ohne Motor" von Winfried Kassera wird auf Seite 26f der Weg von den Flügelpolaren zu den Gesamtpolaren beschrieben. Dort wird der schädliche Widerstand des gesamten Flugzeugs erwähnt. Ich war davon ausgegangen, dass ich Gesamtpolare für das Flugzeug (um es als Massepunkt zu simulieren) bekommen kann, und nicht die einzelnen Flugzuganteile (Tragflächen, Leitwerke) getrennt betrachten muss. Ich hätte wegen der Daten mal im Modellflugbereich geschaut, wo es dant XFOIL eine ganze Reihe an Polaren gibt. Ist es aussichtslos das so, wenn auch stark vereinfacht und damit mit einem großen Fehler behaftet, zu simulieren? Vielen Dank im voraus, -Jens |
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#5
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| Jens Remus schrieb: Man braucht ein Lehrbuch für die nichtlinearen Bewegungs- gleichungen. Meine Empfehlung: R.Brockhaus Flugregelung I R.Oldenbourg Weitere Bücher von Brüning, Hafer, Sachs, Etkin. Die nichtlinearen Differentialgleichungen für die Längsbewegung (Zustandsvariable x,z, Vx,Vz, Nickwinkel, Nickgeschwindigkeit, als Beispiel) enthalten schon alle 'Zentrifugalkraft-Effekte'. Es muss nichts 'zusammengestoppelt' werden. Das Seil hängt meistens durch. Modell Kettenlinie (schwierig wegen der Randbedingungen) oder als zweiteiliges masseloses Seil mit einem effektiven Gewicht durch Punktmasse in der Mitte. Das Segelflugzeug startet nicht wie ein passiver Drachen durch bloßes Ziehen am Seil. Der Pilot gibt den Nickwinkel Theta nach einer angelernten Funktion vor. Die Winde zieht das Seil an einem Ende, das Seil zieht am anderen Ende das Flugzeug. Nicht ganz einfach. Jedenfalls sollte man die Aufgabe nicht als Statik anpacken, und schon gar nicht linearisiert. Die Modellierung der Luftkräfte und Momente für den Flügel und das Höhenleitwerk ist für den Fachmenschen vergleichs- weise einfach. Wegen der großen Streckungen genügen einfache Modelle. Allerdings braucht man die Beiwerte für das ganze Flugzeug, was auch die Kenntnis der Schwerpunktlage voraussetzt. Die Abschätzung dieser Beiwerte ist dann eher ein Fall für Fachleute. Also: cAa (cA-alpha), cWa(cW-alpha), cMa(cM-alpha) und cMq (Nickdämpfung). Schönen Gruß --Gernot Hoffmann |
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#6
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| On Fri, 20 Jul 2007 08:31:29 -0700, [Only registered users see links. ] wrote: Leider habe ich nicht gleich nach de.rec.luftfahrt mit follow-up hierhuer gepostet, so dass jetzt zwei Threads entstanden sind. Ich möchte daher einiges dort von mir gepostete hier zum besseren Verständnis auch noch einmal wiedergeben: "Vielleicht sollte ich erwähnen, dass ich weder Flugzeugbau, noch ein anderes der Aerodynamik nahes Fach studiere, sondern Technische Informatik. Das ganze soll im Rahmen eines Simulations-Praktikums bearbeitet werden, in dem es hauptsächlich um den praktischen Umgang mit Matlab & Simulink geht. Meinem Betreuer von der FH und mir ist natürlich bewusst, dass nicht unerhebliche Kräfte vernachlässigt werden. Laut dem Jahresbericht 98 der Akaflieg Karlsruhe macht das Seil (Reibungskraft + Luftwiderstand) ~10% der Energiebilanz aus. Die potentielle Energie des Seils nur ~2%. Die Rollreibung des Flugzeugs macht ebenso nur ~1% aus." "Auch würde mich interessieren, ob nach Deiner Einschätzung wenigstens der Gleitflug oder das Starten mit eigenem Motor vielleicht doch so vereinfacht betrachtet werden kann? Dann würde ich mit der FH über eine Änderung der Aufgabe sprechen müssen. Die Annahme meines FH-Betreuers und mir war bisher: Der Pilot hält den Angriffswinkel (es sollte ein zeitlich veränderlicher Fehler draufgerechnet werden, um die Korrekturen des Piloten zu simulieren). Der Gesamtauftrieb ergibt sich nachezu vollständig aus dem Tragflügel. Da die einzelnen Auftriebskräfte nicht betrachtet werden, kann es natürlich sein, dass das Flugzeug einen vorgegebenen Angriffswinkel inne hält, der in der Realität nicht machbar wäre (Auftreib des Leitwerks reicht nicht, um die Lage einzunehmen). Der Angriffswinkel würde am Boden 0°, in der Luft nach dem Start einige wenige Grad und ab ca. 50m Höhe etwa 45° betragen. Ab einem bestimmten Winkel zwischen Seil und Boden würde dann der Angriffswinkel langsam wieder reduziert. Der Übergang zwischen einzelnen Angriffswinkel-Vorgaben würde natürlich nicht schlagartig sondern fließend erfolgen. Ebenso würde die Winde natürlich nicht schlagartig auf 100% sondern innerhalb weniger Sekunden (in der Wikipedia werden 100-120km/h in ~3/4 Sekunden als Anhaltspunkt erwähnt)." Sehe ich das richtig, dass ich dann den Anstellwinkel des Flugzeug mit dem Nick-Moment M einstellen muss? Dann könnte ich doch sicher einfach den 3DoF (Body/Wind Axes) Block des Aeropsace Blockset benutzen. Der berechnet aus F_x, F_y und M (körperfestes Achsenkreuz) den Nickwinkel theta, die Nickwinkelgeschwindigkeit omega_gamma, die Nickwingelbeschleunigung, die Position im erdfesten Achsenkreuz, die Geschwindigkeiten u, w und die Beschleunigungen Ax, Az im körperfesten Achsenkreuz. Details zu den beiden Blöcken: [Only registered users see links. ] [Only registered users see links. ] Das Moment M könnte ich dann mit dem Moments about CG Due to Forces Block berechnen: [Only registered users see links. ] Leider benötige ich für eine derartige Simulation noch weitere Daten des Flugzeugs als bisher angenommen und diese Datenbeschaffung gestalltet sich als schwierig (s.u.). Durch den 4th Order Point Mass Block war ich davon ausgegangen, dass mein Ansatz funktionieren würde. Mit diesem hätte ich die Kräfte berechnet: [Only registered users see links. ] Und mit diesem die resultierende Bewegung des Flugzeugs: [Only registered users see links. ] Vorausgesetzt ich muss das Seil wirklich so genau berücksichtigen, dann würde ich wohl Deinen zweiten Vorschlag wählen. Von der FH aus ist eine derartig komplexe Simulation eigentlich nicht vorgesehen. Hierzu meine Überlegungen in de.rec.luftfahrt: "Mein leienhafter Kenntnisstand: Die Winde wird beim Start auf 100% gefahren (der Windenfahrer gibt Vollgas). Ab einer bestimmten Höhe (ich nehme mal an so ab 45° zwischen Seil und Boden wird die Leistung reduziert (sonst würde das Flugzeug doch sicher überproportinal zur Erde zurück beschleunigt?)." In wie fern liniarisiert? Problem: Woher bekomme ich diese. Es gibt sowohl in dem Aerospace Blockset als auch im AeroSim Blockset ([Only registered users see links. ]) eine Reihe von zusätzlichen Blöcken: [Only registered users see links. ] [Only registered users see links. ] Genau das ist mein zusätzliches bisher noch nicht angesprochenes Problem. Ich habe leider noch keine Daten im Netz gefunden (bzw. kenne mich mit der Materie nicht gut genug aus, um zu erkennen, ob sie sich aus den Datenblättern der Flugzeughersteller nicht doch irgendwie entnehmen lassen). Ich fasse zusammen: Eigentlich sollte ich das Flugzeug doch lieber mit dem Aerospace Blockset oder dem AeroSim Blockset simulieren. Ich sollte meinen leihenhaften Gedanken das Flugzeug als Punktmasse mit für das gesamte Flugzeug geltenen Polaren und damit einfachem Aufsummieren der Kräfte (F_A, F_W und F_G) aufgeben und Tragfläche und Leitwerk getrennt simulieren (wie bei der Wright-Flyer Case-Study des Aerospace Blockset): [Only registered users see links. ] Weiterhin scheint der Windenstart zusätzliche Hindernisse zu enthalten, so dass eine Änderung der Aufgabenstellung in einen einfachen Gleitflug oder einen Start eines motorgetriebenen Flugzeugs das gesamte vereinfachen würde (siehe <46a0a8ba$0$31631$[Only registered users see links. ]>). -Jens |
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#7
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| Jens Remus schrieb: Zur Simulation des Segelflugzeuges mit fertigen Modulen (Simulink) kann ich nichts sagen. Ich bin studierter Flugtechniker. Auch früher war die Beschaffung der Daten das größere Problem. Die Integration der Bewegungs- gleichungen (z.B. mit Runge-Kutta) und die Visualisierung der Ergebnisse war eher Routine (mit eigenen Programmen). Linearisierung: ausgehend von einem stationären Zustand (Reiseflug, gleichmäßiger Steigflug) kann man das Verhalten für kleine Abweichungen mit linearen Differentialgleichungen mit konstanten Koeffizienten beschreiben. Insbesondere genügt dann für den Stabilitätsnachweis die Berechnung der Eigenwerte. Ein echtes Segelflugzeug startet nicht passiv wie ein Drachen. Dagegen ist es möglich, ein Flugmodell ohne Bedienung des Höhenruders hochzuschleppen. Die Aufgabe enthält meiner Meinung nach für einen Informatiker zu viel Mechanik bzw. Flugmechanik. Schönen Gruß --Gernot Hoffmann |
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#8
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| On Fri, 20 Jul 2007 22:35:03 -0700, [Only registered users see links. ] wrote: Habt Ihr Vorschläge, wo man die benötigten Daten herbekommen kann? Ich stehe mit zwei Segelflugzeug-Herstellern in Kontakt, habe aber bisher vermutlich noch nicht ausreichende Daten bekommen. D.h. warscheinlich kann ein entsprechend ausgebildeter Mensch aus den gegebenen Messdaten alles benötigte ermitteln. Entweder waren es Gesamtpolare oder v, w [m/s] Messdaten. Wäre es denkbar (ggf. nur berechnete) Daten von Modellflugzeugen zu verwenden? Ich habe bei der suche nach Polaren sehr viele Daten über Modellflugzeuge im Internet gefunden, aber kaum Daten zu realen Flugzeugen. Daher habe ich hier auch Hilfe gesucht, weil ich selber nicht ausreichende Kenntnisse in den Bereichen habe. -Jens |
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#9
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| Jens Remus schrieb: Jens, ich würde mich direkt wenden an ein (Google) 'Institut für Flugmechanik'. z.B. Berlin, Braunschweig, München oder Stuttgart. Wahrscheinlich sind derartige Aufgaben schon untersucht worden (Die Akaflieg in Braunschweig hatte Segelflugzeuge entwickelt). Schönen Gruß --Gernot Hoffmann |
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| eines , fragen , segelflugzeugs , simulation , zur |
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