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#1
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| NG, ich habe es jetzt fünf und zehnmal gerechnet und ich komme nicht weiter. Gegeben ist das Vektorfeld \frac{( -y , x )}{x^2+y^2}. Das Feld hat ganz offensichtlich eine Menge Wirbel, und tatsächlich kommt für einen bestimmten geschlossenen Weg (Lemniskate) ein Wert ungleich Null raus. Alles bestens. Ja und jetzt? Jetzt rechne ich die Rotation aus und da kommt Null raus! Das würde ja bedeuten, dass für JEDEN geschlossen Weg das Linienintegral auch Null werden muss, oder? Aber das passt mit meinem ersten Ergebnis nicht zusammenpassen... ich verstehe die Welt nicht mehr! HILFE! jens |
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#2
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| "|||jens|||" <[Only registered users see links. ]> schrieb im Newsbeitrag news:e3kk63$h6o$00$[Only registered users see links. ]... Aha! Ein anschauliches Beispiel: Das Magnetfeld B um einen geraden Leiter, das wirbelt um den Leiter herum und trotzdem ist die Rotation null => konservativ? Wenn man sich aber (als magnetisches Etwas) um den Leiter herum bewegt, dann ist die Arbeit dafür nicht null => nicht konservativ? Wie löst sich mein Widerspruch? jens |
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#3
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| |||jens||| schrieb: Ich kenn die Rotation nur für Vektorfelder auf dem R^3. Allgemein gilt jedoch folgendes: Wenn das Vektorfeld v konservativ ist, d.h. das Kurvenintegral über alle geschlossenen, stückweis glatten Kurven verschwindet, dann gelten die Integrabilitätsbedingungen d_partiell v_i / d_partiell x_k = d_partiell v_k / d_partiell x_i für i <> k. Der Umkehrschluß gilt jedoch nur auf einfachen Gebieten. Der Definitionsbereich deines Feldes enthält den Punkt (0,0) nicht, ist also kein einfaches Gebiet. In einem einfachen Gebiet läßt sich jede geschlossene Kurve stetig zu einem Punkt zusammenziehen, ohne das Gebiet zu verlassen. Dein Vektorfeld erfüllt zwar die Integrabilitätsbedingungen, ist jedoch nicht konservativ. Gruß Reiner -- Einsamkeit ist die Belästigung durch sich selbst. |
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#4
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| |||jens||| wrote: Wo ist also das Problem? ;-)) Keineswegs. Du hast wahrscheinlich ein ungenaues Buch gelesen, das Dich zu dem Irrtum verleitet, daß für jeden geschlossenen Weg das Linienintegral 0 werden müsse. Das gilt nur in einfach zusammenhängenden Räumen. Du hast hier ein ebenes Problem, und das Vektorfeld ist nur in der "punktierten Ebene" definiert, und die ist offensichtlich nicht einfach zusammenhängend. Jede geschlossene Kurve, deren Inneres die Singularität x=y=0 enthält, läßt sich nämlich nicht stetig zu einem Punkt zusammenziehen. Jedes Wegintegral entlang einer Kurve das den Ursprung enthält, muß denselben von 0 verschiedenen Weg ergeben. Daß es derselbe Wert ist, folgt daraus, daß das Integral entlang jeder geschlossene Kurve, die 0 nicht enthält, selbstverständlich verschwindet. Wir können auch den Wert der Rotation im verallgemeinerten Sinne, d.h. unter Zuhilfenahme von Distributionen, ausdrücken, und dann sieht man, daß die Rotation eben nicht 0 ist. Die Rotation eines Vektorfeldes F in einem Punkt x ist ja i.a. durch den Limes rot F(x)=lim_{"A->x"} 1/A \int_{\partial A} dx' F(x') definiert. Dabei ist A eine Umgebung von x, und "A->x" soll heißen, daß man diese Umgebung immer kleiner macht. \partial A ist der Rand der Fläche, positiv orientiert, d.h. in Deinem Falle der Ebene R^2 konventionsgemäß im Gegenuhrzeigersinne. Man beachte dabei, daß in der Ebene die Rotation eines Vektorfeldes ein Skalarfeld ist. Das versteht man auch in der Theorie der Differentialformen. Da kann man Dein Vektorfeld als 1-Form auffassen, und die Differentialform dieser 1-Form ist eine 2-Form, und die ist in 2 Dimensionen das Hodgedual eines Skalarfeldes (vgl. mein Skript "Klassische Vektoranalysis" in der FAQ). Im gegebenen Falle existiert dieser Grenzwert freilich nicht, wenn man x=0 setzt, aber man kann eine verallgemeinerte Rotation in Umgebungen von 0 ausrechnen. In jedem regulären Punkt stimmt diese verallgemeinerte Funktion mit der gewöhnlichen Rotation überein, ist also 0, während sie im Ursprung divergiert. Wir erwarten also ein der Diracdistribution ähnliche Distribution. Wie oben bereits erwähnt kann man für die Umgebung von 0 eine beliebige Fläche benutzen. Nehmen wir der Einfachheit halber einen Kreis mit Radius R. Den Rand können wir durch K_R: x(lambda)=R(cos(lambda),sin(lambda)) parametrisieren, wo lambda von 0 bis 2 pi läuft (das ergibt dann auch die richtige Orientierung im Gegenuhrzeiger Sinn). Nun ist dx'=dx(lambda)/dlamba dlambda=R(-sin(lambda),cos(lambda)) Dein Feld entlang der Kurve ist F[x(lambda)]=(-sin(lambda),cos(lambda))/R, und das Integral schließlich \int_{K_R} dlambda dx(lambda)/dlambda F[x(lambda)]=2 pi Wie zu erwarten, existiert der gewünschte Grenzwert R->0 nicht. Da das das Flächenintegral über die "Rotation" sein soll, diese aber in jedem Punkt außer im Ursprung 0 ist, muß also gelten rot F(x)=2 pi delta^(2)(x), denn es soll ja der Stokessche Satz allgemein, also auch für Kurven um den Ursprung gelten: \int_A dA "rot F"=\int_{\partial A} dx F(x), und das muß 0 sein für alle Flächen, die 0 nicht enthalten und 2 pi für alle Flächen, die 0 enthalten. Also muß gelten rot F(x)=2 pi \delta^{(2)}(x). Das wir hier in de.sci.physik sind, können wir die Sache auch physikalisch deuten (einmal alle Einheitenkonventionen beiseitegelassen). Deute das ganze im R^3 und fasse F als statisches Magnetfeld B auf. F seien x- und y-Komponente des B-Feldes. Dann ist die oben definierte Rotation im R^2 die z-Komponente der dreidimensionalen Rotation, und nach der einen Maxwellgleichung sind die Wirbel des B-Feldes gerade die Ströme. rot F=j_z, wo j_z die z-Komponente der Stromdichte ist. In Deinem Falle hast Du also einen unendlich langen unendlich dünnen Draht entlang der z-Achse, der einen Strom der Stärke 2 pi führt. -- Hendrik van Hees Texas A&M University Phone: +1 979/845-1411 Cyclotron Institute, MS-3366 Fax: +1 979/845-1899 College Station, TX 77843-3366 [Only registered users see links. ] mailto:[Only registered users see links. ].edu |
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#5
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| |||jens||| wrote: Siehe meine lange Antwort auf Deine Ausgangsaufgabe. Die (verallgemeinerte) Rotation ist nicht 0, es sei denn Du hast den Strom ausgeschaltet ;-)). Dadurch, daß die Magnetkraft auf ein (spinloses) Punktteilchen geschwindigkeitsabhängig ist F=q v/c \times B, die berühmte Lorentzkraft eben. -- Hendrik van Hees Texas A&M University Phone: +1 979/845-1411 Cyclotron Institute, MS-3366 Fax: +1 979/845-1899 College Station, TX 77843-3366 [Only registered users see links. ] mailto:[Only registered users see links. ].edu |
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#6
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| "Hendrik van Hees" <hees@comp.tamu.edu> schrieb im Newsbeitrag news Und da wären wir wieder beim Greiner, aber der ist nicht schuld. [...] Was ist das delta^2(x)? delta^2(0)=0, =1 sonst, mit x als Abstand vom Ursprung? Ein "eindimensionaler" Kronecker? ---- Das heißt also, zusammenfassend: Um die allgemeine Rotation berechnen zu können, musst du wissen, wo sich singuläre Stellen befinden, um die herum evtl "symmetrische" Wirbel vorhanden sind, soll heißen solche, die sich rein wirbeltechnisch im restlichen Raum nicht bemerkbar machen. Wenn du sie findest, solltest du einmal herumlaufen und dann nachschauen, ob in der Küche das Licht noch brennt? Danke für die umfangreiche und Licht spendende Antwort! jens |
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#7
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#8
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| |||jens||| wrote: Das ist die Diracsche Deltadistribution in zwei Dimensionen. In kartesischen Koordinaten gilt \delta^{(2)}(x)=delta(x1) delta(x2) -- Hendrik van Hees Texas A&M University Phone: +1 979/845-1411 Cyclotron Institute, MS-3366 Fax: +1 979/845-1899 College Station, TX 77843-3366 [Only registered users see links. ] mailto:[Only registered users see links. ].edu |
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#9
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| Moin, |||jens||| schrub: Anschaulich: Es gibt manchmal Wirbel an Flüssen, insbesondere wenn da in Kurven Bunen(?) also Steinwälle in den Fluß gelegt wurden, um die Erosion der Landschaft zu verhindern. Aber ein überdimensionaler Badewannenwirbel tut's auch: Schmeißt man in so einen Strömung einen Korken rein, der sagen wir in Nord-Süd-Richtung ausgerichtet ist, dann wird er allmählich um das Zentrum des Wirbels kreisen, sich dabei selbst aber nicht drehen. Die Ausrichtung des Korkens bleibt immer die gleiche. Und dennoch beschreibt der Korken eine Kreisbahn. Funktioniert wunderbar - eben bis auf die Stelle des Zentrums des Wirbels. Da dreht sich der Korken ganz schnell. Aber nur da eben. CU Rollo |
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#10
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| Tags |
| rotation , wirbelfeld |
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