| | |||||||
| Register | Search | Today's Posts | Mark Forums Read |
| Forum Physik Forum Physik. |
| | LinkBack | Thread Tools | Display Modes |
|
#11
| |||
| |||
| * Hans-Bernhard Broeker schreibt zur Renormierung Es gibt mathematisch befriedigendere Arten, mit den Divergenzen von Quantenfeldtheorie umzugehen. Zunächst einmal muß man genau prüfen, wie man denn eigentlich die Feynmangraphen hergeleitet hat. Man stellt nach kurzer Probe fest, daß sie auf einem formalen Ausdruck für die S-Matrix S = " T exp i Integral d^4 x L_int(x) " und dem Wickschen Theorem beruhen, daß das zeitgeordnete Produkt lokaler Felder gleich der Summe über alle Kontraktionen des normalgeordneten Produktes ist. Genauer bedacht ist aber der Ausdruck für S S = T ( 1 + i Integral d^4 x L_int(x) - 1/2 Integral d^4 x L_int(x) Integral d^4 y L_int(y) + ... nicht abgeleitet für Orte x=y, wie sie als Untermenge vom Maß Null im quadratischen Term und den weiteren Termen auftreten. Ebenso gilt das Wicksche Theorem nicht für zusammenfallende Argumente x=y, denn dort ist das zeitgeordnete Produkt T phi(x) phi(x) nicht definiert. Alle Divergenzen der Quantenfeldtheorie treten stammen von solchen Produkten lokaler Felder am gleichen Ort. In einem Verfahren, das von Bogoliubov, Parasiuk, Hepp, Zimmermann und Lowenstein stammt, werden die Feynmangraphen gleich so definiert, daß alle Quantenkorrekturen endlich sind. Darüber hinaus ist an dem Verfahren angenehm, daß in jeder Ordnung Störungstheorie die Masse gleich der physikalischen Masse und die Kopplungsstärke gleich der physikalischen Kopplungsstärke ist. Leider ist das BPHZL-Verfahren algebraisch aufwendig und wird von Praktikern gescheut -- es sei denn, sie wollen etwas wirklich sicher (zum Beispiel die chirale Anomalie) und nicht nur als erste ausrechnen. -- Aberglaube bringt Unglück [Only registered users see links. ] |
|
#12
| |||
| |||
| Moin, Hans-Bernhard Broeker hat geschrieben: Dazu mal eine Anfängerfrage: Also erstmal erscheint es mit merkwürdig, wie man eine unendliche Masse dadurch wegbekommt, das man noch weitere Sachen dazupackt. Aber sei es drum, ich hatte das populärwissenschaftlich mal so verstanden, daß virtuelle Teilchen (als Gedankenmodell) helfen, diese unendlichkeiten zu verbergen. Warum dann ist es so, daß diese Bindung so perfekt funktioniert, daß z.B. Elektronen ihre Masse auch bei den höchsten Energieen IMO nicht ändern? Irgendwann müßten sie doch ihre virtuellen Verfolger abschütteln. Ist das jetzt falsch oder völlig falsch gedacht? CU Rollo |
|
#13
| |||
| |||
| Roland Damm <[Only registered users see links. ]> wrote: Auf dem ausdruecklich niedrig gehaltenen Level, auf dem ich das hier zu halten versucht hatte, ist QFT leider unweigerlich durch und durch merkwuerdig. Grob gesagt, die Sachen, die man "dazupackt" werden zur Definition des umgebenden Raums und seiner Eigenschaften dazugepackt, nicht zum Elektron selbst. Es ist also nicht so wahnsinnig verblueffend, dass dass sie das Elektron nicht etwa schwerer, sondern leichter machen --- sie "helfen" ihm sozusagen, sich zu bewegen. Man kennt diesen Effekt auch in der Festkoerperphysik, als "effektive Masse" eines Elektrons oder Lochs, das sich im Festkoerper-Gitter bewegt --- auch die haben zahlenmaessig wenig mit den konventionellen 511 keV/c^2 eines Elektrons zu tun. Das bezieht sich auf die Ladung des Elektrons --- auch davon ist der "nackte" Wert unendlich. "Bei hoechsten Energien" ist ein relativer Ausdruck --- was aus dem ruhenden Laborsystem wie ein verflixt hochenergetisches Elektron aussieht, sieht ein mitfliegender Beobachter als ganz normales, niederenergetisches Teilchen. Hohe Energie des Elektrons an und fuer sich heisst also nichts. Wenn man aber absolut gesehen hohe Energien in Spiel bringt, also das schnelle Elektronen ordentlich mit einem anderen kollidieren laesst, was aus jedem Bezugssystem betrachtet den gleichen Effekt haben sollte, dann ist es eben gerade nicht so, dass sich Masse und (vor allem) Ladung nicht aendern wuerden. Wenn man mit wirklich hohen Energien, so dass man sehr nah an das Elektron rankommt, genau nachschaut, kann man den Uebergang vom "angezogenen" zum "nackten" Elektron stufenlos mitverfolgen. Wie dieser Uebergang aussieht, erklaert einem dann die Renormierungstheorie. -- Hans-Bernhard Broeker ([Only registered users see links. ]-aachen.de) Even if all the snow were burnt, ashes would remain. |
|
#14
| |||
| |||
| Hans-Bernhard Broeker wrote: Das mit dem Raum verstehe ich nicht. Bei der Renormierung werden Felder, Kopplungskonstanten und Massen renormiert. Es ist egal, ob Divergenzen auftreten oder nicht, Du mußt immer renormieren. In der QFT hat das Renormieren den nützlichen Nebeneffekt, daß diese Prozedur auch die Divergenzen von Integralen beseitigt, die deshalb auftreten, weil die Feldoperatoren operatorwertige Distributionen sind und man diese eigentlich nicht so ohne weiteres miteinander multiplizieren darf. Insbesondere sind Operatorprodukte von Feldoperatoren mit gleichem Raumzeitargument nicht wohldefiniert. Das erkennt man z.B. schon an den kanonischen Vertauschungsrelationen zwischen einem Feldoperator phi und seinem kanonischen Impuls Pi. Die "gleichzeitigen" Vertauschungsrelationen lauten bekanntlich [phi(t,\vec{x}),Pi(t,\vec{y})]=i \delta^{(3)}(\vec{x}-\vec{y}). Betreibt man nun Störungstheorie, kann man sich auch ein einfaches physikalisches Bild für das Renormieren machen. Man beginnt mit freien Quantenfeldern (nehmen wir als Beispiel die QED und die Selbstenergie des Elektrons), d.h. z.B. einem Elektron, wobei man die Ladung und die Kopplung ans elektromagnetische Feld zunächst völlig vernachlässigt. Rechnet man jetzt die Einschleifenselbstenergie aus, berücksichtigt man die Wechselwirkung des Elektrons mit seinem eigenen Strahlungsfeld. Das vorherige Kunstprodukt der Phantasie, das sog. nackte Elektron, hat also nun sein em. Feld um sich, und das ändert seine Masse um einen unendlichen Betrag, was natürlich Unsinn ist und mit den obigen mathematischen Schwierigkeiten von Feldoperatoren zusammenhängt. Die Elektronen in der Natur haben aber mitsamt ihrer Ladung und ihrem Feld eine bestimmte Masse (511 keV/c^2). Die Masse des "nackten" Elektrons kann man nie messen, weil es in der Natur keine nackten Elektronen gibt. Drückt man nun die Theorie nicht durch die nackten Massen sondern die physikalischen endlichen Massen aus, ist alles endlich. Formal erkennt man das am besten im sog. BPHZ-Formalismus. Zu jedem Schleifenintegral gibt es einen Counterterm, also einen punktförmigen Vertex, dessen Addition zum Diagramm der Renormierung des Schleifenintegrals bewirkt. Hat man kompliziertere Diagramme mit mehr Schleifen, muß man sich nur von "innen" nach "außen" arbeiten und zunächst alle Subschleifendiagramme renormieren. Ganz zum Schluß renormiert man dann noch das äußere Diagramm selbst (vgl. mein QFT-Skript auf meiner Webpage). Durch dieses Verfahren werden auch verwickelte Probleme mit sog. überlappenden Divergenzen (overlapping divergences, ich habe einfach mal wörtlich übersetzt ;-)) von selbst gelöst. Das beseitigt einen Fehler im alten Beweis von Dyson, daß die QED renormierbar ist. Eine Theorie heißt dabei renormierbar, wenn man nur eine endliche Anzahl von Parametern benötigt, um genügend Counterterme einführen zu können, um die Theorie endlich zu machen. Das BPHZ-Verfahren hat auch noch den Vorteil, daß man keine "Regularisierung" einführen muß, was manchmal problematisch ist. In der Störungsrechnung ist die bequemste Regularisierung ja die sog. dimensionale Regularisierung. Die macht aber Ärger, wenn man chirale Symmetrien hat und Anomalien auftreten können. Dann muß man Extravorschriften erfinden, die z.B. mit der gamma_5-Matrix (in vier Dimensionen) zu tun haben, so daß man die Anomalie dem richtigen Strom zuschiebt, so daß etwa eine Eichinvarianz nicht verletzt wird etc. Für die Renormierbarkeit der QED (oder deren Verallgemeinerung zu nichtabelschen Eichtheorien, auf denen das Standardmodell der Elementarteilchne beruht) ist noch die unterliegende Eichsymmetrie von eminent wichtiger Bedeutung. Betrachtet wir z.B. den Vierphotonenvertex. Für diesen gibt es keine eichinvariante Punktkopplung mit nichtnegativer Dimension, also keinen oberflächlich renormierbaren Term. Wir dürfen also keine Counterterme für einen solchen Vertex einführen, denn sonst würde die QED sicher nicht renormierbar. Andererseits gibt es aber Vierphotonenvertizes. Das einfachste Diagramm ist ein sog. "Boxdiagramm", d.h. da laufen vier Photonenprogagatoren um, und wenn man den oberflächlichen Divergenzgrad ausrechnet hat hat man 4 (eine Schleife)- 4*1 (vier Elektronenpropagatoren), also \delta(Box)=0, so daß das Boxdiagramm also oberflächlich logarithmisch divergent ist. Addiert man aber nun alle Diagramme dieser Art in derselben Loopordnung zusammen (zwei Boxdiagramme im Einschleifenfalle), fallen die Divergenzen heraus, was auf Ward-Takahashi-Identitäten beruht, die Folge der Eichinvarianz sind (vgl. mein Skript). Hierbei handelt es sich um "Mediummodifikationen". Das sind stets endliche Effekte, nachdem man die Vakuumdivergenzen abgezogen hat. Auch das Photon erhält z.B. eine Debysche Abschirmmasse (screening mass), aber das zerstört weder die Renormierbarkeit noch die Eichsymmetrie. Mediumanteile von Feynmandiagrammen sind endlich und dürfen auch nicht renormiert werden, weil man sonst zustandsabhängige (z.B. temperaturabhängige) Counterterme einführen würde. Yep, man kann dann die Renormierungsgruppe benutzen, um die Störungstheorie zu verbessern. Bei hohen Energien bricht die Störungstheorie der QED nämlich zusammen, weil die renormierten Ladungen groß werden. "Schuld" sind die Logarithmen, die beim Renormieren unweigerlich auftreten und eine Renormierungsskala beinhalten. Werden dann die Energien groß gegen diese Skala werden die Logarithmen auch groß (zum Glück aber eben nur logarithmisch), und man tut gut daran, das Renormierungschema zu ändern und bei einer anderen Energieskala zu renormieren. Wie sich dabei die renormierte Kopplung ändert, kann man über die sog. Renormierungsgruppengleichung ausrechnen. Dabei kommt die Renormierungsgruppengleichung aus der Forderung, daß sich physikalische Resultate (Wirkungsquerschnitte etc.) nicht ändern dürfen, wenn man die Renormierungsvorschrift ändert (was exakt natürlich nur für die volle Theorie zu allen Ordnungen Störungstheorie der Fall ist). Löst man diese Gleichung, sagt sie einem, wie sich die renormierte Kopplung ändert, wenn man bei einer anderen Energieskala renormiert. Bei der QED ist es so, daß eine Erhöhung der Energieskala die renormierte Kopplung größer macht. Im Bild mit "virtuellen Teilchen" (das man aber nicht überstrapazieren sollte), heißt das, daß die Quantenfluktuationen aus Elektron-Positronpaaren (und anderer geladener Teilchen!) die Ladung des Elektrons abschirmen. Betrachtet man Elektronenstöße bei höheren Energien wird daher die effektive Kopplung größer. Der bekannte Wert \alpha=1/137 für die em. Feinstrukturkonstante entspricht dem Wert der Ladung bei kleinen Energieskalen, wie sie für die Atomphysik relevant sind. Betrachtet man Elektronen in der Gegend der Masse des Z-Bosons (Austauschteilchen der schwachen Welchselwirkung) M_Z \approx 90 GeV, findet man in Übereinstimmung mit dem Experiment \alpha(M_Z)=1/128. -- Hendrik van Hees Texas A&M University Phone: +1 979/845-1411 Cyclotron Institute, MS-3366 Fax: +1 979/845-1899 College Station, TX 77843-3366 [Only registered users see links. ] mailto:[Only registered users see links. ].edu |
|
#15
| |||
| |||
| Hans-Bernhard Broeker wrote: Nein. Auch im Limes beliebig hohen Energien sind beobachtbare Elektronen nie nackt. Ich habe alles wichtige zur Renormierung auf m"oglichst elementaren Niveau ausf"uhrlich in meinem theoretical physics FAQ auf [Only registered users see links. ] beschrieben. Die nackten Unendlichkeiten ergeben sich "ahnlich wie das nackte n=inf in der Definition von exp x = lim_{n to inf} (1+x/n)^n. Sie sind reine Artifakte eines Grenzprozesses, der n"otig ist, um die Lorentzinvariante Theorie zu definieren. Im grenzwert ist alles endlich, und nur das z'ahlt, ob man Exponentialfunktionen ausrechnen will oder S-Matrizen (auch nur eine Art Exponentialfunktion, nur in einem wesentlich komplexeren Sinn). Arnold Neumaier |
|
#16
| |||
| |||
| |
| Tags |
| der , qed , selbstenergien |
| Thread Tools | |
| Display Modes | |
|
|