![]() |
Rotation zur aufhebung der Schwerelosigkeit im All Hi, eines DER Probleme langer Weltraumreisen ist die Schwerelosigkeit und die damit verbundenen Nachteile auf den Organismus. Eine rotierende Raumstation als Vision ist ja bereits in Stanly Qubricks 2001 filmisch umgesetzt worden. Meine Frage ist: Wie groß müsste der Radius (bzw Durchmesser) eines solchen rotierenden Systems im All sein, damit es für 2m große Wesen (Menschen) auf dauer mit keinerlei körperlichen Nachteilen verbunden ist? Keine Übelkeit, kein Knochenschwund, keine merkbaren Unterschiede zwischen der Anziehung (bei Rotation fliehkraft) an den Füßen und in Kopfhöhe. Gibt es da einen standard Radius o. ä? Ich hatte da mal was über 1,5 km durchmesser gehört. Aber vielleicht kennt hier jemand eine genauere Angabe zum Radius oder Durchmesser eines solchen rotierenden Systems. Das Problem der Schwerelosigkeit müsste doch dann relativ einfach durch ein solches rotierendes System - aus dem das Raumschiff (z. B. für den Flug zum Mars) inkl. Antrieb usw. besteht - zu beheben sein oder? Grüße Esim |
Rotation zur aufhebung der Schwerelosigkeit im All Benno Hartwig wrote: Ich denke sogar, daß sie relativ kleinen Durchmessers sein sollte, da ansonsten ihre Masse deutlich größer sein müßte, um die 'Unwucht Mensch' auszugleichen bzw. klein im Vergleich zur Masse des Rades sein zu lassen. Ein Taumeln der Achse des Schiffes sollte sich sehr negativ auf die Steuerbarkeit und allgemein die Stabilität auswirken... Ein großer Radius (sehr groß) sollte es allerdings möglich machen, sogar an dem 'Habitat-Ring' anzukoppeln (Versorgung/Personalwechsel etc.), da hier die Rotationsgeschwindigkeit leichter angeglichen werden kann. Ein komplexes Manöver allemal. Natürlich kann man auch eine Versorgung über die Achse in Betracht ziehen. Wahrscheinlich wäre das sogar besser, da nun kein plötzlicher Massenzuwachs eine Korrektur der Rotationsgeschwindigkeit erfordert (tut sie das?). Aber es scheint ein paar Gründe zu geben, warum das nicht favorisiert wird (Michael McCollum: "Der Antares Krieg"; dort wird genau das Problem angesprochen). McCollum ist nach der Kurzbiographie ein NASA-Ingenieur, was sich auch in seinen detaillierten realitätsnahen Schilderungen der Technik zeigt. mark -- Wenn ein Buch und ein Kopf zusammenstoßen und es klingt hohl, ist das allemal im Buche? -- Georg Christoph Lichtenberg |
Rotation zur aufhebung der Schwerelosigkeit im All "Benno Hartwig" <[Only registered and activated users can see links. Click Here To Register...]> schrieb: Da man sowas wohl für Langzeitmissionen bauen würde, müsste man schon Wert drauf legen, dass sich der Astronaut halbwegs wohlfühlt. Und das bedeutet, dass die durch Rotation erzeugte Fliehkraft sich in Kopfhöhe nicht allzustark von der in Fußhöhe(=Boden) unterscheidet. Unter der Annahme, dass 1% Unterschied auf 2 Meter noch akzeptabel (aber sicherlich spürbar) ist, komme ich so auf einen Radius von 200 Metern. |
Rotation zur aufhebung der Schwerelosigkeit im All Moin, Mark Rossi hat geschrieben: Die ganze Rotiererei wirkt sich sehr negativ auf die Manövrierbarkeit aus. Mal ausgeholt: Eine Raumstation die um die Erde kreist, wird wenn sie dermaßen rotiert ihre Rotationsachse raumfest behalten. Eventuell kann es glücken, daß die Rotationsachse immer Richtung Sonne zeigt was sicher praktisch wäre wegen Solarzellen, Kühlung und so. Dennoch wird die Station mal mit dem einen Ende voran, mal mit dem anderen um die Erde kreisen. Wenn man jetzt die Bahn erhöhen will, was immer mal wieder vorkommt, dann muß man das energiesparenderweise mit einem Hohmannübergang machen, also zwei Schubimpulsen in Flugrichtung die n+1/2 Umkreisungen nacheinander passieren. Also muß man zwischen den beiden Schüben entweder die Station umdrehen, oder man braucht zwei Haupttriebwerke, eines vorne das andere hinten. Beides nicht gerade erwünschte Sachen. Und obendrein, wieso sollte man eine Forschungsstation im Weltraum betreiben, auf der man noch nicht einmal in Schwerelosigkeit forschen kann. Bei einem Raumschiff, das zum Mars fliegen soll ist die Sache schon eher sinnvoll. Das Problem mit den Schubrichtungen gibt es da zwar auch, aber das wäre im Anbetracht der Vorteile vielleicht zu verschmerzen. Die Drehung der Rotationsachse wäre dabei aber bestimmt nicht mehr mit Hilfe von Gezeitenkräften oder so machbar, sondern muß mit Triebwerksschub erbracht werden. Wohl eine ausgesprochen dumme Idee. Das Raumschiff müßte dafür für eine Zeit so viel Schub aufbringen, wie der Erdschwerkraft entspricht. Das schaffen derzeitige Raumflugsysteme gerademal beim Start und zu großen Kosten. Des weiteren müßte die Ankopplung stabil genug sein, das Gewicht der Raumfähre zu tragen. Mächtig viel überflüssiger Ballast. Das wäre noch das geringste Problem. Übrigens kann so eine rotierende Raumstation nicht ins Eiern geraten und hat keine Probleme mit einer Umwucht. Sie rotiert einfach um ihrer Schwereachse die dann eventuell nicht mehr die Symmetrieachse ist, aber was solls. CU Rollo |
Rotation zur aufhebung der Schwerelosigkeit im All Moin, Esim Can hat geschrieben: Das menschliche Empfinden für den Betrag der Schwerkraft ist sehr schlecht. Das machen sich Flugsimulatoren zu Nutze, indem sie seitliche Kurvenfliehkräfte einfach durch Schrägstellung der Kanzel simulieren. Man sitzt dann quasi schief im Sitz, merkt aber garnicht, daß die Gesamtbeschleunigung die man erfährt geringer ist, als eine echte Addition von Schwerkraft plus Fliehkraft. Wie stark sie also die Schwerkraft zwischen Kopf und Fuß unterscheidet, ist IMO gar nicht so ein Problem. Viel kritischer sind die Corioliskräfte. Man will ja nicht jedesmal, wenn man sich zum Schuhe-Zubinden bückt, auf dem Kopf oder den Hintern fallen - je nachdem in welche Richtung man gerade mit der Nase zeigt. Die elendige Diskussion mit für oder wieder Pinkeln im Stehen dürfte sich auch schnell erledigen... Jedenfalls würde Mensch diese Corioliskräfte viel deutlicher spüren, als die unterschiedliche Schwerkraft je nach Höhe. CU Rollo |
Rotation zur aufhebung der Schwerelosigkeit im All Die Fliehkraft wirkt doch nur auf die Füße, oder? Von da wird sie dann auf den ganzen Körper verteilt, wobei die Füße etwas mehr abbekommen, aber das tun sie ja auf der Erde auch (da tragen die Füße auch 70 kg und der Hals 15 kg). Davon abgesehen stelle ich mir das spaßig vor, in der Mitte so einer rotierenden Scheibe zu schweben und meinen Kollegen beim Arbeiten zuzuschauen. |
Rotation zur aufhebung der Schwerelosigkeit im All Hi, in de.sci.physik Thomas Luehmann <[Only registered and activated users can see links. Click Here To Register...].de> wrote: Wobei ich tippe, dass nicht die geringere Fliehkraft in Kopfhöhe die entscheidende Rolle spielt, sondern die Corioliskraft, die einen auf die Schnauze oder auf den Hintern fallen lässt beim Aufstehen/Hinsetzen, je nachdem, in welche Richtung man gerade schaut. Und eben weil sich die Kopf-Beschleunigungs-Richtung je nach Körperrichtung ändert, kann man sich vermutlich auch nicht gut daran gewöhnen. Aber auch das dürfte bei den 200 m dann akzeptabel sein. mfg. Gernot -- <[Only registered and activated users can see links. Click Here To Register...]> (Gernot Zander) [Only registered and activated users can see links. Click Here To Register...] *Keine Mailkopien bitte!* _______ (-) --o---|_______|---o-- (+) | | `---------------' Widerstand ist zwecklos! (Martin Wysada) |
Rotation zur aufhebung der Schwerelosigkeit im All Roland Damm wrote: Bitte? Wenn die Achse Richtung Sonne zeigt, dann ist immer dieselbe (Halb-)Seite des Habitatringes der Sonne zugewandt. So etwas versucht man _immer_ zu vermeiden. Die Temperatur- und Strahlenbelastung des Materials sowie der Personen direkt dahinter wäre viel zu hoch. Deshalb rotieren m.W. auch die zylindrischen Stationen. Sinnvoller wäre doch eine tangentiale Lage der Achse zur Sonne, damit -- aufgrund der 'hohen' Rotationsgeschwindigkeit des Ringes -- die Wärmebelastung der aktuell bestrahlten Ringsegmentsoberfläche nur von kurzer Dauer ist. Du vergißt, daß es hier um den Habitatring geht. Forschen kann man immernoch in der schwerelosen Achse. Aber Langzeitaufenthalte werden für die Astronauten nicht mehr zum Gesundheitsrisiko. Interessehalber: wie drehe ich einen rotierendes Schiff mittels der (welcher?) Gezeitenkräfte? Den Punkt sehe ich jetzt zwar nicht, wenn ich von einer Annäherung aus Achsrichtung ausgehe, dann muß das Versorghungsschiff 'lediglich' in eine Spiralbahn gebracht werden, deren Schnittpunkt mit der Ringfläche gerade am Ringradius liegen muß und mit möglichst wenig Überschußgeschwindigkeit. Also ein zu komplexes Manöver... Das ist ein Punkt. Der würde aber auch bei kleinen Radien und hohen Rotationsgeschwindigkeiten auftreten... Also ist prinzipiell nur ein Ankoppeln an der Achse nötig. Dort muß lediglich die Längsdrehung des Versorgers an die der Achse angepaßt werden, was beim Bedienungspersonal dort sicherlich einige Übelkeit erzeugen sollte (negative Beschleunigung?; oder auf der Schiffsinnenhülle stehen). Damit dürfte ein Schiff aber endgültig unsteuerbar werden. Immerhin sollte der Antrieb möglichst senkrecht zum Ring und in dessen Rotationsachse angreifen um unkontrolliertes Trudeln zu vermeiden. Also hilft wohl nur (wie bereits oben erwähnt): (a) keine Andockmanöver am Ring (b) hinreichend große Masse des Ringes, damit es durch 'bewegliche Masse' aka Astronauten nicht zu Schwerpunktsverschiebungen kommt. mark -- Q: How do you save a drowning lawyer? A: Throw him a rock. |
Rotation zur aufhebung der Schwerelosigkeit im All Moin, Mark Rossi hat geschrieben: Und die bepinselt man dann mit reflektierender Farbe. Man braucht dann den Strahlenschutzschild nur dort anzubringen und nicht überall. Welche? Skylab? ISS? MIR? alle rotationsfrei. Hatten alle schön die Sonnenkollektoren zur einen Seite, die Radiatoren (Wärmeabfuhr) senkrecht dazu. Bei einer rotierenden Station passt das nicht mehr. Wechselnde Wärmebelastung. Mag nicht so in Gewicht fallen bei der hohen Frequenz, aber Wechselbelastungen sind nicht so beliebt. Es ist auch bei der ISS schon so, daß allein die Anwesenheit von Menschen wegen der damit einhergehenden Erschütterungen einem so manches Experiment versaut. Wie viel mehr gilt das dann, wenn eine große Mechanik vor sich hin rotiert? Ach ja, ich gehe mal davon aus, daß wenigstens ein Teil der Station nicht rotiert. Weiß nicht, ob das geht. Ich weiß, daß es für Satelliten eine sog. Sonnensynchrone Bahn gibt, also eine Bahn die z.B. immer das ganze Jahr über den gleichen Winkel zur Sonnenrichtung hat. Dafür muß die Bahn mit einer Inklination (Winkel Bahn zu Äquator) größer 90° sein, der Sattelit also ein bischen regenläufig gegen die Erde rotieren. Dann wird die Bahn des Sat durch die Unrundheit (den Äquatorwulst) der Erde stetig so gekippt, daß sie sich synchron mit der Sonne um die Erde dreht also eine Drehung pro Jahr. Ob man bei so einer rotierenden Raumstation sowas auch hinbekommt, weiß ich nicht. Das Problem ist immerhin ein anderes (es geht ja um die Rotation der Station um sich selbst und nicht um die um die Erde). Ich könnt's mit aber vorstellen. Ein tangentialer Vorbeiflug. Und dann im richtigen Augenblick an der richtigen Stelle sein und ganz doll festhalten. Na ja, wenn man das vermeiden kann, dann würde man es wohl vermeiden wollen. Wenn der Schub für sagen wir genau eine Umdrehung aufrechterhalten wird? Unter Annahme eines kleinen Schubes mitteln sich dann die Abweichungen heraus. Und so perfekt ausbalanciert bekommt man die Station sowieso nicht, egal ob sie sich dreht oder nicht. Auch beim Schub bei einer nicht-rotierenden Station wirken sich unausgeglichene Massen (= Schub nicht in Richtung Schwerpunkt) so aus, daß sie die Station in Rotation versetzen. Ich glaube kaum, daß man zusätzliche Massen einbauen wird, nur um ein Problem zu verringern, daß man durch ein paar Quadratmilimeter mehr gut programmiertem Silizium verhindern kann. Sprich Steuerdüsen braucht man sowieso einige. Der Rest ist Regelungstechnik. CU Rollo |
Rotation zur aufhebung der Schwerelosigkeit im All Roland Damm wrote: Das ist allerdings ein Argument. Hm. Hmm, das ist jetzt nicht förderlich für meine Argumentation (;-), aber: Hab ich mal in einem Bericht gesehen und die Kommentare der Astronauten dazu gehört. Und dann nicht mal den Namen des Raumfahrzeugs gemerkt. Ohje. Ja eben. Die Frequenz der Wechsel wäre relativ hoch und da Abkühlung und Aufheizung Prozesse mit endlichem \Delta t sind, sollte sowas wie eine um einen Mittelwert schwankende Temperaturkurve (im Material) herauskommen. Wenn nur eine Seite stark erwärmt wird und die andere Seite garnicht -- das \Delta T also sehr groß ist: sollten dann die Materialspannungen nicht derart extrem sein, daß ein Mikrometeorid das Ding platzen lassen würde, wie ... naja, man denke sich was Adäquates ;-) ? Achso, Du gehst vom Antrieb im Ring aus? Mein Ansatz war (aus Platz- und anderen Gründen), daß der Antrieb in der Achse steckt. Dann würde ein nichtaxialer Schwerpunkt bei einem Schubvektor in Achsrichtung unweigerlich zu einer Kippbewegung führen (nicht nur zu einem Taumeln). In Kombination mit der Drehbewegung ist Stabilisierung dann sicher ein nichttriviales Problem. Eine prinzipielle Frage wirft sich dabei auch auf: Die Rotation sollte ja stabilisierend wirken (siehe Kreiselsysteme in Satelliten). Ist das Ringraumschiff wirklich so anfällig gegen 'kurzzeitige' Unwuchten, bei einem dermaßen massereichen 'Kreisel'? Das auf jeden Fall. Man darf nur nicht vergessen, daß zwischen Erde und Mars nicht viel Treibstoff (oder Gas zum Ausstoßen) am Wegesrand liegt und es ein v... sehr langer Weg ist... Welche Ansätze verfolgt man denn bei der ESA/NASA diesbezüglich? Gibt es da Quellen? Wie stellen die sich die interplanetare Raumfahrt vor? Denn das Schwerkraftproblem ist wirklich eines. Waren nicht auch schwere Depressionen eine der 'Entzugserscheinungen'? Von dem bereits genannten physiologischen Problemkreis einmal abgesehen. mark -- Ich würde ein Eis essen gehen. -- Erkan Yanar in d.c.o.u.l.m |
| All times are GMT. The time now is 03:07 PM. |
Powered by vBulletin® Version 3.8.4
Copyright ©2000 - 2013, Jelsoft Enterprises Ltd.
Copyright 2005 - 2012 Molecular Station | All Rights Reserved