| | |||||||
| Register | Search | Today's Posts | Mark Forums Read |
| Forum Physik Forum Physik. |
| | LinkBack | Thread Tools | Display Modes |
|
#1
| |||
| |||
| hallo, warum bezeichnet man die lösungen der dirac-gleichung als "bispinore" und nicht etwa als vierkomponentige vektoren. hängt das ausschliesslich mit dem veränderten transformationsverhalten gegenüber raumdrehung zusammen? danke für eine erklärung, mfg, guido donath |
|
#2
| |||
| |||
| Guido Donath wrote: Spinoren sind erst einmal die Darsteller der SU(2). In der Fundamentaldarstellung sind das zweidimensionale Vektoren über dem Skalarenkörper C. Sie gehören zur Darstellung des Spins eines Teilchens mit Spin 1/2. Diese Spinoren kommen überall in der nichtrelativistischen wie in der relativistischen Physik vor. Man nennt sie auch Weylspinoren (nach dem Mathematiker Hermann Weyl, der die Physik sehr gemocht hat). In der relativistischen Quantentheorie hat man es mit Darstellungen der Lorentz- bzw. Poincaregruppe zu tun. Statt der Lorentzgruppe selbst betrachtet man deren Überlagerungsgruppe SL(2,C), genau wie man bei den Drehungen ja auch deren Überlagerungsgruppe SU(2) in der QT benutzt (warum das so ist, kannst Du unter dem Stichwort "Theorem von Wigner und Bargner" in der Literatur finden). Die SU(2) ist nun eine Untergruppe der SL(2,C), und man kann daher fragen, ob sich die Spinordarstellungen der SU(2) zu Darstellungen der SL(2,C) erweitern lassen, und das ist tatsächlich möglich! Einfacher ist es allerdings, man fängt ganz von vorne an und läßt sich ein bißchen von der physikalischen Anschauung helfen. Die Lorentzgruppe enthält ja zum einen die Drehungen, die von den Drehimpulsoperatoren erzeugt werden, zum anderen die "Boosts", die die drehungsfreie glf. geradlinige Bewegung eines inertialen Bezugssystems zu einem anderen bedeuten. Insgesamt hat man also die drei Generatoren J_k der Drehungen und die drei Generatoren K_k der Boosts. Betrachtet man nun scharf die Kommutatorrelationen dieser Generatoren (vgl. z.B. mein QFT-Skript auf meiner Homepage), findet man heraus, daß die Kombinationen A_j=i/2 (J_j+i K_j) und B_j=i/2 (J_j-i K_j) Die Kommutatorrelationen zwischen zwei voneinander unabhängigen SU(2)-Liealgebren erfüllen,also [A_j,A_k]=i eps_{jkl} A_l [B_j,B_k]=i eps_{jkl} B_l [A_j,B_k]=0 Man bekommt also Darstellungen der SL(2,C) (genauer gesagt von deren Liealgebra!) durch Objekte mit zwei Indizes Psi_{jk}, wobei sich j auf die "Drehimpulse" (haben die eigentlich einen Namen?) A und k auf die "Drehimpulse" B bezieht. Man kann nun diese "Drehimpulse" unabhängig voneinander durch die bekannten Darstellungen zu J=0,1/2,1,... darstellen. Man spricht dann von der (a,b)-Darstellung der SL(2,C). In der Physik der Elementarteilchen braucht man zum Glück nur die kleinen Dimensionen. Der einfachste Fall ist a=b=0. Das sind die Skalare, denn da bewirken ja die "Drehungen", die von A und B erzeugt werden, nichts. Das ist die sog. triviale Darstellung. Es gibt dann zwei echt voneinander verschiedene, also nicht ineinander durch Ähnlichkeitsabbildungen überführbare zweidimensionale Darstellungen, nämlich (1/2,0) und (0,1/2) Das sind zwei verschiedene Weylspinoren bzgl. der Darstellungen der SL(2,C). Betrachtet man die Untergruppe SU(2), die Drehungen repräsentieren, so stellt man fest, daß diese Darstellungen zueinander äquivalent sind. Das muß so sein, weil es ja nur die eine zweidimensionale Darstellung der SU(2), die Fundamentaldarstellung nämlich, gibt. Bzgl. der SL(2,C) sind die Darstellungen aber verschieden, und insofern sind es zwei verschiedene Objekte. Das wird etwas klarer, wenn man diese sog. eigentlich orthochrone Lorentzgruppe, d.h. der Teil der Lorentzgruppe, der durch stetige Deformation aus der Identität hervorgeht, um die Raumspiegelungen erweitert. Da stellt man fest, daß mit (1/2,0)-Spinoren oder (0,1/2)-Spinoren allein nur die triviale Darstellung der Raumspiegelung möglich ist. Will man die Raumspiegelungen nichttrivial darstellen, muß man die direkte Summe (1/2,0) + (0,1/2) betrachten, was einen vierdimensionaler Spinorraum ergibt, wo die oberen beiden Komponenten einen (1/2,0) und die unteren beiden einen (0,1/2)-Spinor bilden. Diese vierdimensionalen Spinoren nennt man daher Bispinoren, weil sie eben aus zwei einfachen Weylspinoren zusammengebastelt sind. Sie heißen auch Diracspinoren, weil das genau die Spinoren sind, die in der Diracgleichung vorkommen. Bzgl. der SL(2,C) ist das eine reduzible Darstellung, weil es ja gerade die direkte Summe zweier (irreduzibler) Darstellungen ist, aber will man die Raumspiegelungen nichttrivial darstellen, muß man jeden (1/2,0) in einen (0,1/2)-Spinor und umgekehrt abbilden. Deshalb bezeichnet man auch die Weylspinoren als chirale Spinoren und sagt, die eine Sorte beschreibe linkshändige, die andere rechtshändige Teilchen. Die Raumspiegelung macht ja dann aus einem linkshändigen rechtshändige Teilchen und umgekehrt. -- Hendrik van Hees Cyclotron Institute Phone: +1 979/845-1411 Texas A&M University Fax: +1 979/845-1899 Cyclotron Institute, MS-3366 [Only registered users see links. ] College Station, TX 77843-3366 |
|
#3
| |||
| |||
| hallo, vielen dank für die ausführliche erklärung. ich war nich darauf gefasst, dass man da so viel gruppentheorie braucht. ich höre die qed eher interessenhalber als experimentalo. daher noch ein paar fragen: ok was hat es mit der überlagerungsgruppe auf sich? die lorenzgruppe ist doch diejenige gruppe, die die lorentztransformation darstellt. was stellt denn die überlagerungsgruppe zusätzlich dar? ok also man baut sich "neue" Objekte auf, die die Drehimpulsalgebra erfüllen... ok öhm, also ich habe jetzt meine neuen Drehimpulse A und B. Ein Objekt mit _zwei_ indices ist doch aber vielmehr eine Matrix, respektive ein Tensot, denn ein Spinor. Wie baue ich denn jetzt dieses Objekt mit den zwei Indices aus den neuen Drehimpulsen A und B auf? ok wieso gerade 1/2. Widerspiegelt dies jetzt, dass wir von Spin-1/2-Teilchen reden? ok ok Grüße, Guido |
|
#4
| |||
| |||
| Guido Donath wrote: Oh je, da hab' ich Dich ja überfallen ;-)). Schaden tut's aber auch einem Exi nicht, wenn er über die Lorentz- bzw. Poincaregruppe bescheid weiß :-)). Ich finde es aber auch an sich faszinierend, wieviel man aus der reinen Symmetrieanalyse der Raumzeit über Teilchen herauskriegt. Das ist wieder ein recht mathematisches Feld. Der Punkt ist, daß in der Quantentheorie nicht die Hilbertraumvektoren (z.B. realisiert durch Schödingersche Wellenfunktionen in der nichtrelativistischen Quantenmechanik) die Zustände beschreiben, sondern die sog. Strahlen im Hilbertraum, denn die Wahrscheinlichkeiten, Erwartungswerte etc. hängen nicht von irgendwelchen von 0 verschiedenen Faktoren der Vektoren ab. Die kürzen sich immer wieder heraus. Fragt man nun nach Symmetrieoperationen der Quantentheorie, kommt man nach längeren mathematischen Betrachtungen (ich habe die in meinem Quantenfeldtheorieskript auf meiner Homepage knapp zusammengestellt, ohne daß das irgendwelche Ansprüche an mathematische Exaktheit erhebt) darauf, daß man bei Liegruppen wie der Drehgruppe genausogut deren Überlagerungsgruppe betrachten kann. Dann kommt heraus, daß man die Drehungen nicht nur durch unitäre Darstellungen im Hilbertraum realisieren kann, sondern auch durch Darstellungen der SU(2), wodurch man auf die Möglichkeit von Teilchen mit halbzahligem Spin geführt wird. Natürlich entscheidet stets das Experiment, ob all diese komplizierten Hirngespinste der Mathematiker richtig sind. Natürlich hat sich die QT in vielerlei Hinsicht bestens bewährt. Insbesondere weiß man spätestens seit Dirac, daß es Teilchen mit Spin 1/2 gibt. Experimentell ist das als erstes herausgekommen, indem man die Feinstruktur der Wasserstoffatome betrachtet hat. Schrödinger hatte nämlich z.B. vor seiner nichtrelativistischen Gleichung die (heute Klein-Gordongleichung genannte) relativistische Gleichung für ein Spin-0-Teilchen angesetzt und das Eigenwertproblem zum Wasserstoffatom gelöst. Die Energieniveaus stimmten nicht. Die Diracgleichung, die zwar eine ganz andere Motivation hatte (Lösung des Problems der Zustände "negativer Energie"), ergab ein Elektron mit Spin 1/2 (und Gyrofaktor 2), was die richtige Feinstruktur des Wasserstoffspektrums lieferte. Das ist der Trick. Wenn einmal die Darstellungen Drehimpulsalgebra geknackt hat, hat man damit auch die Algebra der Lorentzgruppe erschlagen ;-)). Na ja, Deine Vektoren, auf denen diese Darstellungen operieren haben jetzt zwei Spinor (oder Vektor-)Indizes. Die Wirkung der A-Drehimpulsoperatoren ist die auf den ersten, die der B-Operatoren auf den zweiten Index. Das sind eben die nächsteinfachen Darstellungen, eben die zu a=1/2 und b=0 bzw. zu a=0 und b=1/2. Beides sind mögliche Realisierungen von Teilchen mit Spin 1/2, denn die richtigen Drehungen werden jeweils wieder durch SU(2)-Transformationen dargestellt. Es war ja A_j=1/2 (J_j+i K_j) und B_j=1/2 (J_j-i K_j) und J_j waren ja die "normalen" Drehimpulsoperatoren. Folglich ist J_j=A_j+B_j Da die A_j und B_j ja jetzt (übrigens ohne Beschränkung der Allgemeinheit) durch selbstadjungierte Matrizen dargestellt werden, sind die J_j auch selbstadjungiert, wie es sich für Drehimpulse gehört. Für die Darstellung (1/2,0) sind die A_j=1/2 \sigma_j (\sigma_j=Paulimatrizen) und B_j=0, so daß es sich also bzgl. der Drehungen um gewöhnliche Weylspinoren handelt. Die K_j sind übrigens jetzt zwingend nicht selbstadjungiert: K_j=1/(2i)(A_j-B_j). Die Boosts werden also nicht durch unitäre Transformationen auf diesen Spinoren dargestellt. Es gibt überhaupt keine endlichdimensionalen unitären Darstellungen der Lorentzgruppe! Wie man die unitären Darstellungen der ganzen Poincaregruppe (also Lorentzgruppe und Raum-Zeittranslationen zusammengenommen) kriegt, findest Du wieder in meinem Skript (oder natürlich viel besser bei Weinberg, Quantum Theory of Fields, Vol. I). -- Hendrik van Hees Cyclotron Institute Phone: +1 979/845-1411 Texas A&M University Fax: +1 979/845-1899 Cyclotron Institute, MS-3366 [Only registered users see links. ] College Station, TX 77843-3366 |
| Tags |
| bispinore , qed |
| Thread Tools | |
| Display Modes | |
|
|