Go Back   Science Forums Biology Forum Molecular Biology Forum Physics Chemistry Forum > Regional Molecular Biology Discussion > Forum Physik
Register Search Today's Posts Mark Forums Read

Forum Physik Forum Physik.


Exocytose an Synapsen und Quantenphysik

Exocytose an Synapsen und Quantenphysik - Forum Physik

Exocytose an Synapsen und Quantenphysik - Forum Physik.


Reply
 
LinkBack Thread Tools Display Modes
  #1  
Old 01-09-2004, 06:15 PM
Otto Roeschke
Guest
 
Posts: n/a
Default Exocytose an Synapsen und Quantenphysik




Hallo NG,

Als Biologe fehlen mir fundierte Kenntnisse der
Quantenphysik, um eine Hypothese, die mir reichlich
esoterisch erscheint, unter Dualisten unter den Biologen
aber Anhänger hat, von Nobelpreisträger John Eccles
aufgestellt wurde (hat Bahnbrechendes an Synapsen
geleistet), widerlegen zu können.

Eccles Hypothese verknappt:
Ein immaterieller Geist = reflexives Bewusstsein nutzt den
Körper als sein Organon = Werkzeug.
Haken daran:
Fasst man Bewusstsein nicht als Epiphänomen neuronaler
Prozesse im Gehirn auf (wie es Mainstream ist), sozusagen
als Benutzeroberfläche, dann müsste ein (immaterieller) Gedanke
"jetzt hebe ich mal meinen Arm" in der Lage sein, das Energie-
Erhaltungsgesetz zu verletzen.
Für Muskelbewegungen ist Informationsübertragung nötig.
Die Details sind gut erforscht (Muskelbewegungen gibts auch
unbewusst). Durch ein Aktionspotenzial (heißt in der Biologie so,
ist eigentlich eine Potenzialdifferenz) werden am
präsynaptischen Element einer Synapse Ca^++-Poren geöffnet, so
dass Ca^++-Ionen einströmen können, diese bewirken eine
Fusion von Vesikeln mit der Biomembran des präsynaptischen
Elements und dadurch ein Ausschütten der in den Vesikeln
enthaltenen Transmittersubstanz (z.B. Acetylcholin) in den
synaptischen Spalt.
Ohne diesen Prozess wäre die Informationsübertragung gestoppt.
Bei bewussten ("geistigen") Vorgängen müsste dieser Prozess durch
ein immaterielles Prinzip, folgt man Eccles, ausgelöst werden.
Er ist sich des Hakens mit dem Energieerhaltungsgesetz wohl bewusst
und postuliert daher nun Folgendes:
Immaterielle "Psychonen" ändern die Wahrscheinlichkeit von
Quantenzuständen an der Biomembran. Dazu sei keine Energie nötig.
Durch diese Änderung werde das gleiche bewirkt wie durch die
oben geschilderten, durch Ca^++-Einströmen induzierten Vorgänge.

Biomembranen sind (in allen Zellen) Doppellagen aus polaren
Lipiden ( 7-10 nm), die nicht starr sind, in denen Proteinmoleküle
"schwimmen" (nicht orts-fixiert), vergleichbar den Bojen im Meer.
Die Proteine machen ~ 30-70 % der Membranmasse aus.

Nach dieser langen Einleitung (liest noch jemand? :-) nun die
Fragen an die Quantenphysiker:

Wäre eine Änderung von Quantenwahrscheinlichkeiten ohne
Energieaufwand ( durch die postulierten "Psychonen")
physikalisch widerspruchsfrei denkbar?

Wäre es ebenso physikalisch widerspruchsfrei denkbar, dass dadurch
die Verschmelzung der Vesikel (auch von Biomembran umgeben)
mit der Biomembran des präsynaptischen Elements der Synapse
induziert würde?

Ich kann mir nicht helfen, es klingt reichlich esoterisch.
Die ecclesche Hypothese hat aber unter Bewusstseinsforschern
(und Philosophen! :-) zahlreiche Anhänger.

Für klärende Antworten wäre ich sehr dankbar.

Freundlichen Gruß

Otto



Reply With Quote
  #2  
Old 01-09-2004, 10:13 PM
Otto Roeschke
Guest
 
Posts: n/a
Default Exocytose an Synapsen und Quantenphysik

Hallo Manuel,

"Manuel Schmidt" schrieb:



Dank für den Link.
Auf Penrose bin ich absichtlich nicht eingegeangen.
Seine Mikro-Tubili-Hypothese birgt noch allerlei zusätzliche
Ungereimtheiten.
Sie kommen keineswegs nur in den Nervenzellen vor, sondern
in allen. Ihre Funktion im Cytoplasmaskelett ist relativ gut bekannt
(Kinese), ein Zusammenhang mit Synapsenaktivität ist
/völlig/ hypothetisch.
Der Knackpunkt für alle dualistischen Erklärungsmodelle sind die
Antworten auf die beiden von mir gestellten Fragen.
Was Physiker dazu sagen könnten interessiert mich sehr.

Freundlichen Gruß

Otto


Reply With Quote
  #3  
Old 01-10-2004, 12:19 AM
Gregor Scholten
Guest
 
Posts: n/a
Default Exocytose an Synapsen und Quantenphysik

Otto Roeschke wrote:


ich jedoch nicht.
Ich würde darauf tippen, daß der Geist Energie besitzt und diese zum
Herbeiführen des genannten Prozesses einzusetzen vermag.
Für interessant halte ich in diesem Zusammenhang Rupert Sheldrakes Theorie
der morphogenetischen Felder.
Reply With Quote
  #4  
Old 01-10-2004, 06:51 AM
Roland Damm
Guest
 
Posts: n/a
Default Exocytose an Synapsen und Quantenphysik

Moin,

Gregor Scholten hat geschrieben:


Nu bin ich ja platt. Kennt also noch jemand Sheldrake.

Also zur Idee: IMO spricht nichts dagegen, daß ein Geist
'Zufallsprozesse' steuern kann. Dieser Geist wäre dann nur
eine versteckte Variable in den Zufallsprozessen, die die
Qantentheorie ja durchaus zulässt/fordert.

Bestenfalls könnte man jetzt mit der Thermodynamik
argumentieren, dem 2. Hauptsatz und so. Aber selbst da wird
nicht mehr gesagt, als daß jedes System dem Zusand der
maximalen Warscheinlichkeit zustrebt. Das bedeutet zwar im
Hausgebrauch meistens Unordnung, aber das ist genau genommen
falsch. Ich komme eben nur darauf, weil ein planender Geist
natürlich nach menschlicher Ansicht ganz von alleine die
Unordnung aufheben würde - und man deshalb meinen könnte, er
würde gegen den 2. HS der Thermodynamik verstoßen und müßte
demzufolge Energie liefern. Falsch. Wenn ein geordneter
Zustand warscheinlicher ist, als ein ungeordneter, dann wird
ein System natürlich zu diesem geordneten Zustand hin
konvergieren. Das ist keine Frage von Ordnung, sondern nur
eine Frage der Definition von Ordnung.

Jedenfalls fällt deshalb der 2. Hauptsatz der Thermodynamik
als Gegenargument aus. Qantentheorie hatten wir schon - da
spricht nichts dagegen oder dafür, daß zwei Ereignisse, die
energetisch gleichwertig und gleich warscheinlich sind, nicht
mit der gleichen Häufigkeit passieren. Na gut, die Theorie
spricht schon dagegen, aber eben nur, weil es die Theorie so
sagt. Erhaltungssätze sprechen nicht wirklich dagegen.

Nun stellt sich die Frage, wann und wo ein Geist wirkt. Geist
bedingt ja nach allgemeinem Sprachgebrauch, daß da eine
Absicht, ein Ziel hinter stecken würde. Wenn das nicht der
Fall wäre, könnten wir diesen Geist getrost als Zufall
bezeichnen. Und dann stellt sich schnell die Frage, welche
Absicht dahinter steckt. Sehr vage Angelegenheit.

Dann muß ich eher sagen, gefallen mit eben Sheldrakes Ideen
besser. So einen 'Geist' gibt es eben, aber der führt nur
dazu, daß gewisse Strukturen, die schon mal da gewesen sind,
eine höhere Warscheinlichkeit bekommen. Mit diesem Ansatz
braucht man keinen höheren Plan zu unterstellen, kann aber
dennoch den Grund für Fortentwicklung nennen.

Aber es gäbe da noch die andere Seite, auch nicht
physikalisch, aber dennoch sehr real.

Ausschweifend: Beweise die Tatsache, daß bei der Addition
zweier ganzer Zahlen nur eine ganze Zahl heraus kommen kann.
Und das unter der Bedingung, daß sich deine ganze Kenntnis nur
auf Addition und ganze Zahlen beschränkt. Es sollte nicht
gelingen. Und jetzt stehen wir Menschen mit unserem Bewußtsein
da und versuchen dieses zu ergründen. Wieso sollte es uns
möglich sein, unser Bewußtsein zu ergründen, wenn wir nur
dieses selbige als Arbeitsgerät zur Verfügung haben? Ergebnis:
Wir können es nicht, unser eigener Kopf wird uns Menschen
immer ein Rätsel bleiben. Quasi schon per Definition ist das
so. Und dazu brauchen wir noch nicht ein mal einen höher
organisierten Geist/Gott/Seele unterstellen.

Also mal persönlich, bin ich der einzige hier, an dem die
Modewelle der Chaostheorie nicht spurlos vorbeigegangen ist?
Bin ich der Einzige, des solche Bilder gemacht hat:
[Only registered users see links. ]
(und ich bin stolz darauf, daß ich noch nirgends gesehen habe,
daß jemand die Farbübergänge so glatt hinbekommen hat, wie
ich:-))

Soll heißen: Aus so einem simplen System können dermaßen
komplexe Formen entstehen. Wie viel mehr komplexe Formen
können aus so etwas komplexem rückgekoppeltem entstehen, wie
es unser Gehirn ist. Und wir haben nichts besseres zu tun, als
uns andauernd Gedanken über Geister und höhere Beweggründe und
sonstiges spiritistische Kram zu machen. Dabei ist doch schon
ein simples System dazu in der Lage, höchst komplex anmutende
Vorgänge/Muster zu erzeugen. IMO suchen wir Menschen andauernd
nach Gründen, wo es gar keine gibt. Die Suche nach einem
'Geist' der hinter allem steckt ist IMO nur das selbe, wie die
Annahme, daß die Erde eine Scheibe ist und wir stehen oben
drauf. Und das diese Scheibe natürlich der Mittelpunkt des
Universums ist. Wir sehen uns gegenseitig und verstehen uns
nicht vollständig. Und schon meinen wir, den Einfluß eines
höheren Wesens, eines Geistes, eines physikalisch nicht
greifbaren zur Erklährung heranziehen zu müssen. Wir Menschen
können wohl einfach nicht akzeptieren, daß wir genau wie der
Teppich unter uns nur ein Teil der Natur sind - die wir noch
bei weitem nicht vollständig verstanden haben (siehe
Chaostheorie). Seit wie vielen Jahrhunderten philosophieren
schon die Leute herum, was, wie und wo ein Bewußtsein ist.
Dummerweise hat es aber noch keiner gefunden, ja noch nicht
einmal definieren kann man diesen Begriff wirklich sauber.
Warum? Weil er eine Einbildung, ein Wunschdenken des Menschen
ist. Man möchte gern ein Bewußtsein haben, nicht anders als in
anderen Jahrhunderten eine Seele und/oder ein 'kleiner Gott'
der in jedem von uns wohnt. Provokant gesagt: purer Egoismus,
wir halten uns halt für etwas besonderes.

In Anlehnung an einen bekannten Universalgelehrten möchte ich
sagen: 'Ich bedurfte dieser Hypothese (eines Geistes) nicht'.
Der Mensch kann auch denken, ohne daß wir gleich etwas
annehmen müssen, was außerhalb der gängigen Schulphysik ist.
Gedanken darüber, was das Verhalten von Menschen prägt über
die Physik hinaus, fallen IMO großzügig unter Okkams
Rasiermesser.

CU Rollo
--
Hier entsteht in Kürze eine neue Sig-Präsenz.
Reply With Quote
  #5  
Old 01-10-2004, 10:21 AM
Otto Roeschke
Guest
 
Posts: n/a
Default Exocytose an Synapsen und Quantenphysik


"Gregor Scholten" schrieb:



Uff, bitte nicht noch Sheldrake, dann geht's ganz und gar,
freundlich formuliert, ins Spekulative.

Wenn "Geist" Energie besitzt, dann müsste der Bursche dann auch
irgendwann messbar sein. (?)

Freundlichen Gruß

Otto


Reply With Quote
  #6  
Old 01-10-2004, 03:46 PM
Torsten Becker
Guest
 
Posts: n/a
Default Exocytose an Synapsen und Quantenphysik

Otto Roeschke wrote:



Es ist ja schon gesagt worden, das verletzt den Energieerhaltungssatz
nicht, wenn dem 'Geist' eine Energie zugeordnet werden kann. Wenn
ich Eccles&Popper richtig verstanden habe (zugegeben, ich weiss nicht
viel darueber) geht es aber darum gerade nicht. 'Geist' (oder Welt2 bei
Popper?) soll eben grundsaetzlich verschieden von der physikalischen
Welt (Welt1) sein und somit auch nicht durch deren Theorien beschreibbar.

Das wirft dann natuerlich die Frage auf, wie die beiden Welten einander
beeinflussen koennen (ohne physikalische Erhaltungssaetze zu verletzen).
Wenn ich Eccles&Popper hier richtig verstanden hab', soll das
folgendermassen vor sich gehen:
Aufgrund des Indeterminismus der Quantenmechanik gibt es immer mehrere
Moeglichkeiten, die ein gegebenes System realisieren kann. Vereinfacht
ausgedrueckt: wenn zwei Teilchen aufeinander treffen, koennen sie
miteinander wechselwirken oder es bleiben lassen.
Die verschiedenen Moeglichkeiten sind in der Regel nicht
gleichwertig. In obigem Beispiel gibt es eine Wahrscheinlichkeit dafuer,
dass die Teilchen Energie und Impuls austauschen und eine andere, dass
sie es nicht tun. Tatsache ist, das beide Moeglichkeiten vorkommen
koennen, also insbesondere den Energieerhaltungssatz nicht verletzen.
Die Quantenmechanik legt jedoch fest, in welchem zahlenmaessigen
Verhaeltnis beide Moeglichkeiten in einem Experiment auftreten muessen.

Der 'Geist' in Eccles&Popper Theorie soll nun in der Lage sein dieses
Verhaeltnis zu beinflussen. Er soll also in der Lage sein, aus den,
durch die Quantenmechanik gegebenen, Moeglichkeiten auszuwaehlen.
Er verletzt also keine physikalischen Erhaltungssaetze, da er ja nur
Moeglichkeiten in Betracht zieht, die sowieso vorhanden sind. Aber er
verletzt sehr wohl die statistischen Aussagen der Quantenmechanik, weil
er die zahlenmaessigen Verhaeltnisse zwischen den einzelnen
Moeglichkeiten aendert. Im Prinzip ist diese Theorie also sogar
falsifizierbar (wer haette von Popper anderes erwartet).

Das Problem liegt natuerlich in der Umsetzung eines solchen Experiments.
Ist das System einfach genug, um quantenmechanisch verstanden zu werden,
kann man argumentieren, dass 'Geist'-Materie Wechselwirkung hier nicht
beobachtet werden kann. Ist das System aber komplex genug
(z.B. Vorgaenge an Synapsen), weiss man nicht mehr, welche Parameter das
Verhalten des Systems eigentlich bestimmen und kann somit keine
verbindliche Aussage darueber treffen, ob die Beobachtungen den
quantenmechanischen Erwartungen entsprechen.

[Natuerlich koennte man feststellen, dass Vorgaenge in Synapsen
'zielgerichtet' ablaufen, d.h. dass z.B. mehr Vesikel mit der Membran
verschmelzen, als es einfache, statistische Modelle vorhersagen. Aber die
Schlussfolgerung daraus ist ja, dass ein wichtiges Bestimmungsstueck im
Modell fehlt, nicht dass hier eine 'Geist'-Materie Wechselwirkung vorliegt]





Na ja, esoterisch oder nicht, Eccles&Popper haben sich meines Wissens
kritischen Gegenargumenten nicht verschlossen. Mehr kann man nicht
verlangen.
Es gibt eine Literatursammlung ueber 'Consciousness and related
problems', zusammengetragen von dem Philosophen David
Chalmers. Vielleicht findest Du da mehr Informationen:

[Only registered users see links. ]

Gruesse,
Torsten

Reply With Quote
  #7  
Old 01-10-2004, 03:57 PM
Michael Bertschik
Guest
 
Posts: n/a
Default Exocytose an Synapsen und Quantenphysik

Hallo Otto,

Otto Roeschke wrote:

Ist es das, was er möchte? Oder ist das seine Folgerung von
wissenschaftlich gewonnenen Ergebnissen?

Ich meine, postuliert er das alles nur, damit er einen "immateriellen
Geist" bekommt, so daß nur der Wunsch der Vater des Gedankens ist?

Was spricht gegen ein aus den physikalischen Gegebenheiten emergierendes
Bewußtsein?

[...]


Müsste? Wird das irgendwoher zwingend vorgegeben?


Ich wüßte schon nicht, wie man "Quantenwahrscheinlichkeiten" überhaupt
beeinflussen kann. Den Zerfall eines Atoms z.B. kann man durch äußeren
Einflüsse stark verändern (Neutronenbeschuß, "Stripping" der Atomhülle),
aber ohne Energie geht das schon gar nicht.


Mir kommt es vor, als ginge es um eine
"immaterieller-Geist-Beschaffungsmaßnahme".

Ciao,
MB

Reply With Quote
  #8  
Old 01-10-2004, 03:57 PM
Michael Bertschik
Guest
 
Posts: n/a
Default Exocytose an Synapsen und Quantenphysik

Hallo Manuel,

Manuel Schmidt wrote:

Das wäre nicht besonders verwunderlich, kommt es doch auch noch auf die
geeignete Kodierung der Information an.

Beispiel: Wir vereinbaren, daß "5" den Text der Bibel bezeichnet.

Die nicht komprimierbare Zahlenfolge 1, 2, 3, 4, 5... enthält auch "mehr
Informationen" als Zahlen.

Ciao,
MB

Reply With Quote
  #9  
Old 01-10-2004, 05:03 PM
Christian Ade
Guest
 
Posts: n/a
Default Exocytose an Synapsen und Quantenphysik

Otto Roeschke wrote:



Ersmal zu deiner Information: ich bin kein Physiker.

Zu deinem Anliegen: ich sehe hier zwei Schwachstellen in Eccles Hypothese.

1. Hier wird etwas künstlich postuliert, um einer (Lieblings-)Idee
gerecht zu werden. Genauer: es gibt keinen Grund (also keine empirisch
motivierten Zwänge etwa) annehmen zu müssen, das Bewußtsein sei kein
"Epiphänomen neuronaler Prozesse". Stattdessen wird künstlich die
Existenz von "Psychonen" postuliert, um der Lieblingsidee des Autors,
nämlich dass es einen immateriellen Geist geben müsse, eine Grundlage zu
liefern. Diese vorgehensweise ist aber höchst unwissenschaftlich,
weshalb ich dein Vorwurf der Esotererei als gerechtfertigt ansehe. Die
einzige Möglichkeit Eccles sich diesem Vorwurf und dem Vorwurf der
unwissenschaftlichen Vorgehensweise zu entziehen liegt darin
aufzuzeigen, weshalb es (wissenschaftlich!) unabdingbar sei, von der
Existenz eines immateriellen Geistes ausgehen zu *müssen*. Das aber
traue ich Eccles nicht zu, da er ansonsten auf dem Gebiet der
Philosophie im Rahmen einer jahrtausendealten Problematik einen
revolutionären Durchbruch geleistet haben müßte, von dem wir alle
zumindest etwas hätten mitbekommen müssen.

2. Der Rückgriff auf die probabilistische Natur im Bereich des
Allerkleinsten ist nicht neu. Auf diese Weise könnte man beispielsweise
Gott, oder wie in diesem Falle einen immateriellen Geist, in das
Weltgeschehen eingreifen lassen, ohne dadurch mit den Naturgesetzen
(etwa dem Energieerhaltungssatz) in Konflikt zu geraten. Daran sind aber
zwei Bedingungen geknüpft:

1. die Manipulation des Zufalls kann zwar nicht als Verstoß gegen die
Naturgesetze aufgefaßt werden, allerdings nur solange es sich um jene
besondere Form des Zufalls handelt, die im Rahmen der Quantentheorie
einem der Natur tatsächlich inhärenten Indeterminismus zu verdanken ist.
Dieser Zufall aber spielt sich auf sehr kleinem Maßstab ab, nämlich im
subatomaren Bereich, also weit jenseits neuronaler Strukturen und
Synapsen. Sollte manipulierter Zufall im subatomaren Bereich einen
merklichen Einfluss auf neuronale Vorgänge ausüben können, so muss entweder
a) es eine kaskadenartige Verbindung zwischen der subatomaren und der
neuronalen Ebene geben, derart, dass minimalen Einflüsse auf subatomarer
Ebene (z.B. eine Änderung der Flugbahn oder des Spins eines einzelnen
Elektrons) quasi kaskadenartig zu merklichen Auswirkungen auf Vorgängen
im neuronalen Bereich hochgeschaukelt werden. Diese kaskadenartige
Verbindung muss robust sein, d.h. sie muss bei gleichen Ursachen zu
gleichen Wirkungen führen (zu unterscheiden also vom bekannten
Schmetterlingeffekt). Die Existenz solcher kaskadenartiger Verbinunden
ist keine philosophische Fragestellung, sondern sollte wissenschaftlich
nachgewiesen werden können, so es sie gibt.
und/oder
b) die Zufallsmanipulation tritt gebündelt auf. D.h. der immaterielle
Geist beeinblusst nicht nur die Flugbahn eine einzelnen Elektrons,
sondern hunderttausender gleichzeitig, und kann so Einfluss auf Ebenen
weit oberhalb des subatomaren Bereichs nehmen. Und damit komme ich auf
die zweite Bedinungen zu sprechen.

2. Die Quantentheorie ist eine probabilistische Theorie derart, als
dass sie nur Wahrscheinlichkeiten voraussagt. Innerhalb dieser
Wahrscheinlichkeitsvorhersagen könnte sich ein Dämon (oder ein
immaterieller Geist) unbemerkt bewegen, d.h. er kann bestimmen, ob das
Photon bei einem Doppelspaltversuch+Messung den einen oder den anderen
Spalt passieren soll. Das wäre im Einklang mit der Quantentheorie zu
bringen. Allerdings sind dem Dämon starke Grenzen gesetzt. Sollte er
sich entscheiden, bei 100.000 Durchläufen das Photon stets durch den
linken Spalt zu schicken, so würde er den Vorhersagen der Quantentheorie
widersprechen, obschon er "nur" an der Wahrscheinlichkeit manipuliert
hat. Der Dämon darf zwar den Zufall manipulieren, darf sich aber
gleichzeitig nicht über die probabilistischen Vorhersagen der
Quantenmechanik hinwegsetzen. Auch in der Quantenphysik gilt, dass man
sein Glück nicht überstrapazieren sollte. Daher sind dem immateriellen
Geist was 1.b) betrifft Grenzen gesetzt. Sollten solche gebündelten
Zufallsmanipulation im Bereich des Gehirns auftreten, müßten diese
Anomalien nachweisbar sein. Sie würden aber der Quantentheorie
widersprechen, weshalb es in dieser Hinsicht eher schlecht für Eccles
stehen dürfte. Bleibt also noch 1.a). Da Neurologie und Gehirnforschung
nicht mein Gebiet ist kann ich nicht sagen, ob es solche (robusten)
kaskadenartigen Brücken tatsächlich gibt. Auf jeden Fall aber liegt die
Bringschuld bei Eccles. Ihre Existenz einfach anzunehmen ist ebensowenig
Wissenschaftlich wie die Behauptung, die Existenz eines immateriellen
Geistes sei erwiesen.


--
Christian

Reply With Quote
  #10  
Old 01-10-2004, 05:06 PM
Torsten Becker
Guest
 
Posts: n/a
Default Exocytose an Synapsen und Quantenphysik

Gregor Scholten wrote:




Gibt es mittlerweile experimentelle Untersuchungen zu dieser These?
Sheldrake hat als Beispiele mal beschleunigtes Kristallwachstum und
Aenderungen bei Uebergangstemperaturen (Phasenumwandlungen) angegeben.
Um das zu belegen, hat er sich angeschaut, wie sich diese Werte in
wissenschaftlichen Veroeffentlichungen mit der Zeit veraendert haben.

Hat er da mittlerweile handfesteres zu bieten?

Gruesse,
Torsten
Reply With Quote
Reply

Tags
exocytose , quantenphysik , synapsen , und


Thread Tools
Display Modes

Posting Rules
You may not post new threads
You may not post replies
You may not post attachments
You may not edit your posts

BB code is On
Smilies are On
[IMG] code is On
HTML code is Off
Trackbacks are On
Pingbacks are On
Refbacks are On

Forum Jump

Similar Threads
Thread Thread Starter Forum Replies Last Post
Quantenphysik: Informationsübertragung entgegen der Zeitrichtung? Stefan Eder Forum Physik 206 11-10-2007 10:58 AM
Hypothese: Große Vereinheitlichung der Elementarkräfte und der Quantenphysik xxcosmos-a@yahoo.de Forum Physik 1 04-09-2007 09:44 PM
Experimentierkasten Quantenphysik Werner Baumschlager Forum Physik 15 12-08-2004 04:57 PM
Buch zur Quantenphysik Dimitri Junker Forum Physik 3 09-19-2004 08:32 AM
Industriepromotion und Quantenphysik Stefan Bauer Forum Physik 2 09-03-2004 09:51 PM


All times are GMT. The time now is 03:03 PM.


Powered by vBulletin® Version 3.8.4
Copyright ©2000 - 2014, Jelsoft Enterprises Ltd.
Copyright 2005 - 2012 Molecular Station | All Rights Reserved
Page generated in 0.21923 seconds with 16 queries